Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Erfahrungen mit Flüchtlingen und Migranten zum Thema Bezness

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Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Franconia » 21.02.2017, 07:15

Aral hat geschrieben:Ich habe einfach viel Zuviel gemacht, und eigentlich quasi besonders für den "Einen" schon im Voraus gedacht und gehandelt. Habe nicht erst abgewartet bis ich um Hilfe gebeten wurde. Keine Ahnung warum?
Ich bin sonst gar nicht so. Meine Kids sind zur Selbstständigkeit erzogen und sagten selbst zu mir , ich solle mal die Leine länger lassen bei dem jungen Mann um den es hier geht.


@ Aral,
mit dem o.g. Zitat kommst du mir so vor wie einige (viel) weibliche Helferlein, v.a. jüngere, die ich hier bei uns in der Flüchtlingshilfe kennen gelernt habe.
Seinerzeit, zur Hochzeit der Flüchtlingswelle, waren bei uns 200 männliche Flüchtlinge in einem Zelt als Notunterkunft untergebracht. Kochen war da nicht möglich, Essen gab´s vom Caterer.

Die Kerle von 18 bis ??? haben da zum Großteil keinen Finger krumm gemacht, sondern nur gemault wenn die überwiegend weibl. Helfer nicht gesprungen sind sobald sie gehustet haben. Ich durfte da so einige Kerle der besonderen Art kennen lernen. Die kamen, sie haben Hunger. Sauberes Geschirr war aber nicht da, sondern alles stapelte sich und wartet auf den Abwasch, denn das war unter ihrem Niveau und zudem Frauenarbeit. Bei mir waren sie damit allerdings an der falschen Adresse.
Die Ansage war, du hast hunger, dann spül und wenn du dir dazu zu bequem bist, dann gibt es nix zu Essen. Punkt.

Ich habe oft die Helferlein gebremst die den Männern versucht haben so viel wie möglich abzunehmen, denn was tun wollten die Kerle nicht, auf der anderen Seite aber immer gejammert das es langweilig ist und sie nix zu tun haben.
Es war nicht immer einfach, aber der stete Hinweis das es diese Männer auch ohne weibliche Hilfe über 1000ende Kilometer bis hier her geschafft haben, dass sie erwachsen sind und keine kleinen Kinder, hat zumindest bei der einen oder anderen Helferin gewirkt.

Auch habe ich es von Anfang an untersagt mich mit dem Vornamen anzureden oder gar zu duzen. Ich habe quasi von Beginn an eine gewisse Distanz beibehalten.

Allerdings, und das war sozusagen mein Vorteil, ich kannte die Kultur der Männer und auch deren religiöse Gepflogenheiten, wusste also was geht und was NOGos sind schon bevor ich mit da engagiert habe.

Und nein, ich bin nicht mehr in der Flüchtlingshilfe aktiv, ich habe nach einiger Zeit das Handtuch geworfen als mir das Anspruchsdenken und die Bequemlichkeit (genauer gesagt Faulheit) dieser Männer gegen den Strich gegangen ist.


Aral hat geschrieben:Unglaublich welche Macht die Familie hat!!!!

Die heimische Familie steht über allem, selbst wenn er hier eine (dt.) Frau heiraten würde käme seine heimische Familie immer an erster Stelle. Und es sind v.a. die Mütter die eine immense Macht haben, deren Wort Gesetz ist und denen sich dann auch eine mögliche Schwiegermutter unterzuordnen hätte. Die Mutter hat ihn zu dem erzogen was er ist, und wenn du dich mal mit der Kultur und den Erziehungsgewohnheiten beschäftigst wirst du schnell feststellen, dass die Jungs von Klein auf verhätschelt und als "kleine Prinzen" erzogen werden, die nur zu pfeifen haben und alle weiblichen Familienmitglieder (egal ob jünger oder älter) springen.

Aral hat geschrieben:Er sagte auch das seine Mama nie wieder mit ihm reden würde wenn er hier mit einer Frau....

Der Spruch ist älter als Mohameds Bart. Mag sein, seine Mutter wäre nicht begeistert, einfach weil sie schon die passenden muslim. Jungfrau für ihn in der Hinterhand hat. Aber wenn er durch eine Frau, egal ob mittels Heirat oder (unehelichem) Kind, seinen Aufenthalt hier langfristig sicher könnte, dann wäre Mutti ganz schnell begeistert.
Liebe Grüße
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Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Efendi II » 21.02.2017, 12:10

Franconia hat geschrieben:Mag sein, seine Mutter wäre nicht begeistert, einfach weil sie schon die passenden muslim. Jungfrau für ihn in der Hinterhand hat. Aber wenn er durch eine Frau, egal ob mittels Heirat oder (unehelichem) Kind, seinen Aufenthalt hier langfristig sicher könnte, dann wäre Mutti ganz schnell begeistert.

Immerhin wäre eine Eheschließung mit einer Deutschen ja nur für einen überschaubaren Zeitraum notwendig. Nach Erhalt des eigenständigen Aufenthaltsrechts (nach dreijähriger Ehe), stände einer Scheidung und der Eheschließung mit der muslimischen Jungfrau und deren Nachzug nach Deutschland nichts mehr im Wege. Mit einem Kind einer gebärwilligen Deutschen ginge es noch schneller.
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Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Defne » 21.02.2017, 12:47

Hallo Aral,
Flüchtlinge und Migranten sollten nur in einem Land Zuflucht finden dürfen wo sie sich auch vorstellen könnten Einheimische zu heiraten.
Falls das abgelehnt wird dann sind sie im falschen Land. Da wird eine Kultur abgelehnt aber andere Vorteile gerne mitgenommen.

Es müsste mal mehr aufgeklärt werden wie Partnerschaft bei uns ausschaut und dass nicht unbedingt jeder mit jedem rummacht.
Meine türkischen Schwiegereltern (lebend in der Türkei) waren anfangs über mich nicht sehr erfreut. Später war ich dann hoch angesehen bei ihnen, weil ich doch so viel seriöser war als ihr Sohn.
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Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon karima66 » 21.02.2017, 13:35

Hallo Aral,

die ganzen letzten Beiträge enthalten ganz viele Informationen durch die du im nachhinein etwas klarer sehen dürftest.
Mich berühren deine Beiträge, weil ich es so gut nachvollziehen kann wie es dir geht.
Gerne lasse ich dich genauere Detail zu "Fettnäpfchen" wissen, da gibt es natürlich Unmengen, aber ein paar dürften dir vielleicht noch helfen.
Sonst schreibe ich ja sehr offen auch über persönliche Erfahrungen und bin dafür, dass man hier lesen kann damit es vielen hilft.
Diesmal, glaube das erste Mal seit ich hier schreibe, bitte ich um Verständnis dafür, dass ich @Aral per Mail noch etwas schreibe da mir hier zu persönlich.

@Aral, muss noch etwas arbeiten, später schicke ich dir eine Mail.
karima66
 
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Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Aral » 21.02.2017, 14:02

[quote="karima66"]Hallo Aral,

die ganzen letzten Beiträge enthalten ganz viele Informationen durch die du im nachhinein etwas klarer sehen dürftest.
Mich berühren deine Beiträge, weil ich es so gut nachvollziehen kann wie es dir geht.
Gerne lasse ich dich genauere Detail zu "Fettnäpfchen" wissen, da gibt es natürlich Unmengen, aber ein paar dürften dir vielleicht noch helfen.
Sonst schreibe ich ja sehr offen auch über persönliche Erfahrungen und bin dafür, dass man hier lesen kann damit es vielen hilft.
Diesmal, glaube das erste Mal seit ich hier schreibe, bitte ich um Verständnis dafür, dass ich @Aral per Mail noch etwas schreibe da mir hier zu persönlich.

@Aral, muss noch etwas arbeiten, später schicke ich dir eine Mail.[/

Super , freue mich drauf!!!
Liebe Grüße
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Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Efendi II » 21.02.2017, 14:13

Franconia hat geschrieben:Sauberes Geschirr war aber nicht da, sondern alles stapelte sich und wartet auf den Abwasch, denn das war unter ihrem Niveau und zudem Frauenarbeit. Bei mir waren sie damit allerdings an der falschen Adresse.
Die Ansage war, du hast hunger, dann spül und wenn du dir dazu zu bequem bist, dann gibt es nix zu Essen. Punkt.

Na das war aber zutiefst rassistisch. Demnächst kommt noch jemand auf die Idee, dass sie ihre Zimmer und Toiletten selber putzen sollen....? Das geht doch schon mal gar nicht, schließlich sind die alle traumatisiert und letztendlich muss man ihre kulturelle Herkunft berücksichtigen.
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Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Efendi II » 21.02.2017, 14:23

Efendi II hat geschrieben:
Franconia hat geschrieben:Sauberes Geschirr war aber nicht da, sondern alles stapelte sich und wartet auf den Abwasch, denn das war unter ihrem Niveau und zudem Frauenarbeit. Bei mir waren sie damit allerdings an der falschen Adresse.
Die Ansage war, du hast hunger, dann spül und wenn du dir dazu zu bequem bist, dann gibt es nix zu Essen. Punkt.

Na das war aber zutiefst rassistisch. Demnächst kommt noch jemand auf die Idee, dass sie ihre Zimmer und Toiletten selber putzen sollen....? Das geht doch schon mal gar nicht, schließlich sind die alle traumatisiert und letztendlich muss man ihre kulturelle Herkunft berücksichtigen.

http://www.wiedenroth-karikatur.de/02_W ... wuchs.html
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Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon beatricchen » 10.10.2017, 20:18

Aral hat geschrieben:...Er sagte mir das er mit niemanden außer mir über Dinge wie die Liebe, Sex und Freundinnen , Aids usw. unterhalten kann oder jemals hat. Auch über die ewige Verantwortung seine Familie zu unterstützen und der Unterwerfung der Mutter hat er mit mir beredet. Ich fand das Ganze sehr spannend und es war und ist ein schönes Gefühl jemand Besonderes für eine Person zu sein, die hier ohne Familie gestrandet ist.
...
Eine Liebesbeziehung mit ihm mit einem Altersunterschied von 20 Jahren konnte ich mir nicht vorstellen, vielleicht mal ganz kurz , aber mein Verstand sagte immer nein.
Nun zu meiner eigentlichen Frage:
Meint ihr das eine reine freundschaftliche Beziehung zu diesem Mann auf Dauer möglich ist?
...
Ist eine Freundschaft zwischen einem jungen Moslem und einer 20jahre älteren Frau möglich oder nur eine Farce?
Vielen Dank im Voraus für eure Meinungen und Antworten!


Ich habe gerade erst deinen Beitrag gelesen und war tief berührt, da es mir ganz ähnlich ergangen ist. Im Nachhinein bin ich sehr froh, noch unbeschadet aus der Sache herausgekommen zu sein. Auch, wie bei dir, Dank der Hilfe meines Mannes.

Jedoch erinnern mich deine Fragen 1:1 an jene, die ich mir stellte. Auch bei mir handelte es sich um einen Syrer, der angab 22 Jahre alt zu sein, wobei er mir vielleicht 1-2 Jahre älter erschien, aber nun gut, das kann man nur begrenzt gut schätzen. Wir luden ihn oft zu uns nach Hause ein und die Dankbarkeit war, denke ich, nicht gespielt. Mit zunehmender Vertrautheit ergab es sich, daß er auch einmal 'außer der Reihe' vormittags bei uns vorbeischaute, als mein Mann im Büro war. Ich war tatsächlich beim ersten Mal ein wenig elektrisiert als er vor der Tür stand, denn ich hatte nicht damit gerechnet, daß er es war, der an der Tür klingelte.

Umso erleichterter war ich dann, daß es ihm nur darum ging ein Schreiben des BAMF überhaupt zu verstehen. Er kam dann immer mal wieder vorbei, war aber auch vorwiegend nur abends an unserem Tisch, gemeinsam mit meinem Mann. Es gab keinen weiteren Anlaß, auch nur im Ansatz an etwas über ein freundschaftliches Verhältnis Hinausgehendes zu denken. Da hatte eher ich das schlechte Gewissen, weil ich mir solche abwegigen Fragen bzw. eher spinnerte Fantastereien nach einem Verhältnis mit einem 20 Jahre jüngeren Mann stellte, und dies, obwohl ich meinen Mann über alles liebe.

Jedoch passierte dann etwas, das mich beinahe aus der Bahn warf. An einem Morgen stand er vor der Tür und ich sah schon, daß er äußerst betrübter Stimmung war. Es stellte sich dann schnell heraus, daß er schlechte Nachrichten aus seiner Heimat erfahren hatte. Irgendein eine Cousine war mit schweren Verletzungen aufgefunden worden und er weinte Rotz und Wasser. Wahrscheinlich brach die eine oder andere Erinnerung über ihn herein.

Jedenfalls hatte ich das Bedürfnis einen Schritt auf ihn zuzugehen um ihm meine Hand an den Ellenbogen zu legen und etwas Tröstendes zu sagen. Das war offenbar ein Signal, mit dem er nicht umgehen konnte, denn er erwiderte dies, in dem er seine beiden Arme um mich schloß und mich sehr fest an sich drückte. Ich war gerade noch dabei die richtigen Worte für seine Situation zu finden, da durchströmte mich dieses elend zwiespältige Gefühl und wollte mich schnell lösen, aber er hielt mich länger fest, als es mir lieb war.

Jedenfalls habe ich ihn dann weggeschickt und erzählte abends meinem Mann davon -Gott sei Dank. Denn er wußte die Sache richtig einzuordnen und wir entschieden beide gemeinsam den Kontakt bei uns zu Hause einzustellen.
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Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Nilka » 10.10.2017, 20:24

Hallo beatricchen,

herzlich willkommen im Namen des Teams von 1001 Geschichte.
Wir wünschen dir einen guten und informativen Austausch.
LG ♥ Nilka

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Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Nilka » 10.10.2017, 20:42

Liebe beatricchen,

ihr habt beide geistesgenwärtig reagiert.
Gut, dass du an deinen Bauchgefühl gehört hast :D
Viele Menschen tun sich damit schwer aus der Angst heraus, einem anderem Menschen Unrecht zu tun.
So gerät man in einen Strudel und kann sich in für sich immer unangenehmeren und gefährlicheren Situationen wiederfinden. Ihr habt das erkannt! Gratuliere!
LG ♥ Nilka

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