Erst war der Typ geizig, dann hat er zu Weihnachten fette Geschenke gemacht.
Sogar die Hälfte zum Auto bei getan.
Ich empfand ihn lange als geizig. Ganz am Anfang musste er häufiger eingeladen werden, die hälftigen Kosten
pünktlich zu bezahlen.
Ich empfand die Geschenke in späteren Jahren auch nicht als besonders fett. Wir lebten zusammen und er hatte sich auf den Standpunkt gestellt, meine Möbel seien meine Möbel, eines Tages ginge er nach Tunis zurück und da könne er nichts mitnehmen. So hatte er nichts dazu gegeben und es war ja auch meine erste Wohnung, ich hatte also diese Kosten allein, die ich aber auch gehabt hätte, wenn ich allein gelebt hätte. Meinte er.
Über Sex sprechen in einem moslemischen Land ?
Absolutes Tabuthema, bei streng religiösen Tunesiern!
Du hast Recht und Unrecht gleichermaßen. Die Familie lebte gemäßigt gläubig in einem neuen Stadtteil mitten in Tunis. Mutti hätte niemals mit mir über Privates oder gar Sex gesprochen und von den Brüdern konnte man auch nicht erwarten, dass sie übersetzen würden. Absolut unmöglich. Sex war absolut tabu.
Die Mädchen, allen voran Y+++++ und D+++++, waren anfangs noch nicht verheiratet. Sie hatten so viele Fragen, gerade für dieses Thema und lernten ja auch Englisch, weil sie erkannten, wie frei ich war. Anfangs vorsichtig, dann immer klarer haben sie in den folgenden 2- 3 Jahren dann alle Fragen gestellt, die sie umtrieben. Es kamen Freundinnen dazu und sie haben sehr wohl über dieses Thema geredet. Intimer als wir in Deutschland, das musste ich mit Verwunderung feststellen. Ich habe allerdings gestaunt, wie verklemmt und verschwiegen die meisten Tunesier mit ihrer eigenen Sexualität auch in der Ehe umgehen.
Als ich wieder in Deutschland war, habe ich einen Anruf von D+++++ bekommen, die sehr traurig war, dass ein Hausmädchen der Familie in hohem Bogen aus dem Haus geflogen war. Sie sollte mit einem der Brüder einer Familie verheiratet werden, der der in der Nachbarschaft wohnte, war also zum Dienen in der Familie abgestellt worden. Sie hatte gewagt, irgend jemanden im Haus zu fragen, wie Sex denn wäre.... sie wusste NICHTS davon. Sie wurde mit Schimpf und Schaden davongejagt.
An Arche Noah
Liebe Windstoß,
ich kann nur aus eigenen Erfahrungen sprechen.....
Mein Schwiegervater Iman,Direktor an einer angesehenen Schule.
Die ganze Familie streng religiös, außer mein Ex.
Er war das schwarze Schaf in der Familie.
Alle haben einen guten Job, haben gebaut.
Jeder hat ein Auto.....
Nur er hat es zu nichts gebracht.
Dann die Botschaft, er will eine Deutsche heiraten.
Du kannst Dir vorstellen , was da los war.
Das kann ich allerdings und ich ahne, was dann zwangsläufig passieren musste.... und dann noch der Schwiegervater Iman. Du bist in die Hölle geraten.
Ich habe in den Jahren so viel über die tunesische Mentalität erfahren, dass ich mir im Leben niemals hätte vorstellen können, dort jemals als Familienangehörige zu leben. Aus Blick einer Touristin war das ganz informativ und ich hatte ja den "Männer"-Bonus. Aber in der Realität....
Im Grunde konnte man mir alles erzählen, was schmerzte, und das war sehr viel und die Mädchen haben es getan. Ich würde sie nicht "verraten". Man musste scheinbar sehr aufpassen, zu welchem Thema gesprochen wurde, es konnte immer "eine" geben, die "petzen" würde, und das wäre sicher schlimm geworden.... Je öfter ich dorthin fuhr, umso unmöglicher erschien es mir, mich mit den Ist-Geflogenheiten jemals zu arangieren.
Dalila hat mich/uns nach 2 Jahren tiefer Freundschaft hier in B+++++ besucht. Du wirst ermessen können, was das bedeutet. Sie war drei Wochen hier und wir haben nächstelang geplaudert. Z+++ war arbeiten und ich hatte Urlaub gemacht, so konnten wir viel unternehmen und noch mehr reden. Es kam soviel dabei heraus, dass ein Leben dort für mich einem Selbstmord in Raten gleichgekommen wäre.... und D++++ hat Eigenschaften an den Tag gelegt, die mich sehr verblüfft haben. Beispielsweise kam sie mit fast leerem Koffer und trug ganz selbstverständlich meine Garderobe. Für mich mehr als gewöhnungsbedürftig, weil sie z. B. auch 2 Nummern grösser trug als ich. IHR machte das nichts aus - wohl aber mir.
Irgendwann haben sie mich akzeptiert, aber nur ihm zu liebe und solange ich mich "arabisch"verhalten habe. - war ich doch christin -
Ich erahne, wie es Dir gehen musste.
Sie sagten immer, sie behandeln mich wie ihre eigene Tochter.Ja klar, solange ich mich auch wie ihre Tochter verhalten habe
Ich habe mich an Regeln gehalten, habe die Kultur und Tradition akzeptiert, habe mich angepasst und mich mit den Gepflogenheiten arrangiert.
Habe in den Urlauben zu Hause bei seinen Eltern sitzen müssen.
Habe das Haus geputzt und Wäsche mit der Hand gewaschen,mich um alle Kinder gekümmert, während er andauernd nur in den Cafe`s rumlungerte.
Aber wehe ich habe das ausgesprochen , was ich gedacht habe....
Oder ich habe mich gegen meinen Mann oder die Beschneidung meiner Kinder ausgesprochen.
Ich glaube, liebe Arche Noah, irgendwann auf dem Weg zwischen den Welten hast du dich verloren. Ich kann nachempfinden, wie Du dich gefühlt haben musst und mir kommen jetzt beim Schreiben die Tränen. Man hat so viele andere Menschen um sich und ist so allein.... die Kinder werden Dir entfremdet und Dein Wort zählt nichts, vor allem in einer Familie mit einem Iman - und einer Schwiegermutter, die die Herrin des Hauses und über Dich ist.... Deine Kinder begegnen Dir, aber sie sind nicht wirklich Deine Kinder, weil Du nicht die Kontrolle und die letzte Erziehungsgewalt hast. Das tun andere.
Das Ende vom Lied, Du bist da unten nichts wert ,solange Du nicht das tust , was sie wollen !
Du bist es auch nicht wirklich, wenn du ALLES tust, das habe ich bei den Mädchen der Familie gesehen. Sie hatten zu funktionieren, waren längst nicht mit allem einverstanden - aber es war halt so und sie kamen damit zurecht. Geschimpft haben sie nur hinter dem Rücken der Brüder oder des Vaters. Offene Opposition gab es nicht - das machte ich allein - aber ich war ja auch ein "Mann".....
Er hat mich gebeznesst und alle haben mitgemacht .
Wohl oder übel, sollte doch auch das schwarze Schaf endlich mal zu einem eigenen Haus kommen
- "Eine angesehende Familie" -
Für die tunesischen Mütter stehen die Söhne an oberster Stelle, auch wenn sie Mistkröten sind. Dann wird da so lange geredet, bis es wieder passt...Der Goldjunge kann in den Augen der Müttere nichts falsch machen. Ein Mädchen sollte ab einem bestimmten Alter nicht mal falsch gucken oder neugierige Fragen stellen....
Und von Kinder schützen , möchte ich mich hier wirklich nicht äußern.
Auch da haben alle reichlich mitgeholfen....
Wie meinst Du das? In "meiner" Familie waren die Kinder - und es wurden derer sehr reichlich, immer an allererster Stelle. sie wurden von dern Erwachsenen während ihrer Wuselei immer wieder gegriffen und geknutscht. Du kennst die Geste bestimmt: Der Mund wird zusammengeknifft und dann wird geküsst..Sie sprangen die Erwachsenen an und wollten geknuddelt werden. Wenn ich da war, kamen sie besonders gern zu mir und ich hatte praktisch immer irgend ein Kind an mir hängen...
Bis zu einem gewissen Alter gilt diese Narrenfreiheit. Ab 8 oder 10 wurde dann alles strenger. Zuvor herrschte Narrenfreiheit, die mir zu weit gegangen wäre. Die Kinder gingen auch nicht ins Bett - irgendwann fielen sie fast um - meist weit nach Mitternacht und bleiben dann eben liegen und schliefen irgendwo im Haus. Manchmal sammelte Mutti sei ein und stapelte sie praktisch auf einem ausgerollten Teppich nebeneinander. Ausziehen, Zähneputzen, waschen??? ----Neeeeiiiiinnnnn! Es war schon --ee h - fremd.
Liebe Arche, wie bist Du aus dieser Situation rausgekommen? Und wie geht es Dir heute?
Wo sind Deine Kinder. Ich ahne Schlimmes.....