​Mein endgültiger Abschied von Ägypten – und ein spätes Danke an das Forum

Austausch über gemachte Bezness-Erfahrungen in diesem Land

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Ille
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​Mein endgültiger Abschied von Ägypten – und ein spätes Danke an das Forum

Beitrag von Ille » 12.06.2026, 11:59

​Liebe Community,

​heute ist es mir ein tiefes Bedürfnis, mich einfach mal von Herzen bei euch zu bedanken. Danke, dass es diese Seite gibt, und danke an die vielen tollen, aktiven Mitglieder hier. Auch wenn ich damals selbst einmal hier sehr angeeckt bin – wozu ich mich am Ende meines Beitrags noch einmal kurz äußern möchte: Dieses Forum war für mich eine unglaubliche Stütze, als ich es am meisten brauchte.

Da das Thema Ägypten für mich heute komplett abgeschlossen und beendet ist, lese ich hier zwar nicht mehr regelmäßig mit, aber der Dank bleibt unbestreitbar.
​Seit ich das erste Mal nach Ägypten gefahren bin, hat mir das Forum hier sehr geholfen. Ich habe regelmäßig alle Beiträge verfolgt, besonders diejenigen, die Ägypten betrafen. Ich habe mir die Kurzgeschichten heruntergeladen, die es über Amazon als E-Books zu kaufen gibt, und sie aufmerksam gelesen. Dadurch war ich von Anfang an eigentlich sehr gut informiert, wachgerüttelt und habe viele Dinge vor Ort mit ganz anderen Augen gesehen.

​Und trotzdem: Ich bin dem Zauber Ägyptens vollkommen anheimgefallen. Jahrelang hat es mich immer wieder dorthin gezogen. Ich habe viele klassische Hotelurlaube im Land gemacht – war in der Makadi Bay, in El Quseir, in Hurghada und sogar einmal ganz im Süden, fast an der Grenze zum Sudan. Doch der Schleier hat sich für mich nach und nach gelüftet. Es hat letztendlich die letzten drei Urlaube in Luxor gebraucht, bis sich etwas in mir tiefgreifend verändert hat und ich komplett mit dem Thema abschließen musste. Ich war so abgestoßen von dem, was ich dort mit eigenen Augen sehen musste: Bezness, Sextourismus, die permanente Abzockerei und die bittere Tierquälerei direkt vor Ort.

​Ich muss zugeben, dass auch ich nicht ganz immun war. Ich habe mich selbst einmal in Ägypten in einen Mann verliebt. Zum Glück entstand daraus weder eine körperliche noch eine tiefere emotionale Beziehung, und im Nachhinein bin ich unendlich dankbar, dass daraus nichts geworden ist. Ich kann über ihn als Menschen gar nichts Schlechtes sagen, weil es eben nie intensiv wurde – aber heute weiß ich, dass eine solche Verbindung über die Distanz, mit den völlig unterschiedlichen Kulturen und Religionen, niemals hätte funktionieren können.

​Was mich jedoch am tiefsten getroffen und auf eine gewisse Weise fast traumatisiert hat, war dieses allgegenwärtige Gefühl, dort nicht wirklich als Mensch wahrgenommen zu werden. Man fühlt sich wie ein Objekt, das permanent begafft und taxiert wird. Das hatte überhaupt nichts mit meiner Optik oder Attraktivität zu tun – es ist ein genereller Blick, der prüft: Wie weit kann ich mich dieser Person nähern? Wie kann ich da irgendwas herausziehen? Sei es körperlich oder vor allem finanziell. Es gab in diesen Begegnungen keine echte Herzlichkeit, keine ehrliche Wärme. Man wird ununterbrochen daraufhin gescannt, welchen Vorteil man dem Gegenüber bringen könnte.
​Sogar der Kontakt zu ägyptischen Frauen, den ich mir eine Zeit lang sehr gewünscht hatte, eben weil ich so für das Land geschwärmt habe und den Kontakt zu den Männern meiden wollte, verlief extrem ernüchternd. Am Ende lief es auch dort immer darauf hinaus, dass mir Geschichten erzählt wurden und man im Prinzip durch die Blume nach Geld gefragt wurde.

​Besonders in Luxor haben mich die unzähligen ungleichen Pärchen abgestoßen: deutlich ältere europäische Frauen an den Händen sehr junger ägyptischer Männer. Weil ich durch das Forum so gut informiert war, wusste ich sofort, was dahintersteckt.
Dabei ist mir völlig klar, dass dieses Thema keineswegs nur ältere Frauen betrifft. Es trifft genauso jüngere Frauen und Paare, die vom Alter her eigentlich perfekt zusammenpassen würden. Das zugrundeliegende Problem ist das völlig unterschiedliche Frauenbild: Westliche Frauen werden in dieser Kultur schlichtweg nicht als ernstzunehmende Partnerinnen auf Augenhöhe betrachtet.
Einerseits taten mir diese Frauen leid. Ich bin selbst eine Frau und weiß, wie schnell man sich verliebt, wie schnell die Emotionen das Gehirn ausschalten und wie sehr man sich einreden will, dass die eigene Geschichte ganz anders ist als all die Warnungen.
​Andererseits hat es mich auch wütend und traurig gemacht. Hier in Deutschland gibt es so viele tolle, ältere Frauen, die ihr Leben großartig meistern, Hobbys haben, reisen und stark sind, ohne darauf angewiesen zu sein, dass ihre Attraktivität von einem Mann bestätigt wird. Aber genau darum geht es letztendlich oft: Man wird älter, die Aufmerksamkeit im Alltag lässt nach, und in Ägypten bekommt man dann plötzlich die „volle Dröhnung“ an Komplimenten. Es ist ein perfides Spiel mit den Sehnsüchten.

​Ich habe vor Ort viele europäische Frauen kennengelernt, die dort mit ihren ägyptischen Partnern lebten. Im Prinzip waren sie oft nur als Zweit-, Dritt- oder Viertfrauen deklariert. Sie haben ihre gesamten finanziellen Rücklagen als vermeintliche Unterstützung in diese Beziehungen gesteckt. Am Ende mussten sie ohnmächtig mitansehen, wie um sie herum immer noch mehr Touristinnen an Land gezogen wurden. Das Schlimmste war: Viele haben sich trotz allem damit abgefunden. Obwohl sie ganz genau wussten, was da passiert, haben sie sich immer noch eingeredet, dass es wahre Liebe sei. Aber wenn sie davon sprachen, fingen sie manchmal bitterlich an zu weinen. Diese Verzweiflung und Selbsttäuschung mitanzusehen, war unheimlich schwer erträglich.

​Ich bin dann einmal mit einer älteren Bekannten gereist, die sich vor Ort prompt einen deutlich jüngeren Liebhaber suchte. Schon beim zweiten Treffen, als es erneut körperlich werden sollte, ging es darum, dass ihr ein Orfi-Vertrag für mehrere hundert Euro angedreht werden sollte. Das hat meinen Urlaub unheimlich überschattet. Ich hatte solche Angst, dass sie sich auf etwas Schreckliches einlässt, obwohl sie eigentlich gut informiert war und das Land sogar noch besser kannte als ich. Letztendlich hat sie den Vertrag nicht unterschrieben und ihm kein Geld gegeben. Unsere Wege haben sich damals getrennt, aber ich weiß, dass danach wieder Kontakt zustande kam. Was daraus wurde, weiß ich nicht.

​In dem Haus, in dem wir damals untergebracht waren, gab es noch andere spezielle Pärchen. Einmal eine jüngere Frau, vielleicht maximal in ihren 30ern, die nachts mit pfünf Männern gefeiert hat. Als morgens alle aus dem Haus gingen, lag draußen die von Hand gewaschene Männerunterwäsche zum Trocknen in der Sonne. Ich fand das alles so schlimm. Als ich mit meiner Bekannten darüber sprechen wollte, konnte sie es gar nicht nachvollziehen. Sie meinte nur: „Wenn dich das alles so stört, dann darfst du eben nicht mehr hinfahren.“ Und letztendlich hatte sie natürlich recht. Trotzdem war es bitter, mit jemandem zu reisen, der so gar nicht dasselbe empfindet und ebenso erschrocken ist.

​Zu dieser zwischenmenschlichen Kälte kam für mich die unerträgliche Tierquälerei. Ich musste mitansehen, wie Kinder Hunde mit Steinen bewarfen oder Esel ohne Grund mit Stöcken geschlagen wurden, während sie einfach nur dastanden und ausruhten. Die Erwachsenen standen daneben und haben absolut nichts gesagt.
Besonders hinterhältig war das Verhalten, sobald sie merkten, dass ich mich für die Tiere interessierte. Dann kamen sie herbei und taten so, als ob sie auch nett zu dem Tier wären. Aber kaum drehte man ihnen den Rücken zu, traten sie nach ihm oder warfen etwas nach ihm. Diese Grausamkeit hat in mir eine krasse Abneigung gegen diese Menschen ausgelöst.
​Man muss dazu sagen:
Solange man sich im Hotel aufhält, stehen die Angestellten unter Kontrolle und können sich nicht alles erlauben. Das schützt einen ein bisschen. Aber sobald man in den Dörfern unterwegs ist, fällt die Maske komplett.

​Natürlich hatte ich in all den Jahren auch schöne Momente in Ägypten. Das Land hat landschaftlich, abseits von dem Müll, viel Schönes zu bieten. Assuan zum Beispiel fand ich atemberaubend schön. Und natürlich gibt es auch in Ägypten Menschen, die nicht darauf aus sind, Touristen zu betrügen. Aber ich denke, mit denen kommt man als Tourist, der die Sprache nicht beherrscht und einen anderen kulturellen und religiösen Hintergrund hat, schlichtweg nicht in Kontakt.

​Nach meinem letzten Urlaub ging es mir psychisch einfach nur noch so unendlich schlecht, dass ich einen Schlussstrich ziehen musste. Ich bin nun seit über einem Jahr nicht mehr in Ägypten gewesen und das Thema ist für mich endgültig beendet. Manchmal finde ich es traurig, dass ich die Pyramiden nie gesehen habe und nie in Kairo war, aber das ist in Ordnung.

​Ich war jahrelang eine stille Mitleserin hier im Forum. Bis auf dieses eine Mal, als ich damals in Deutschland einen ausländischen Partner kennengelernt hatte. Ich habe damals verschiedene Aussagen hier im Forum als rassistisch empfunden und das auch so kommuniziert. Damit bin ich damals völlig zu Recht angeeckt. Die Personen, die hier so fleißig beraten und unzählige Stunden ihrer Freizeit opfern, haben sich durch mich angegriffen gefühlt. Heute sehe ich das mit anderen Augen und möchte mich dafür entschuldigen. Mir wurde durch das intensive Mitlesen hier über die Jahre so unendlich viel erspart.

Auch zum Thema ausländischer Partner könnte ich heute einiges sagen. Ich bin inzwischen komplett geheilt von dem Gedanken, dass es zwischen einer westlich erzogenen Frau, der ihre Freiheit am Herzen liegt, und einem Mann, der in einer muslimischen Kultur und vielleicht sogar in einem muslimischen Land groß geworden ist, gut passen kann. Und mit Freiheit meine ich hier weder freizügige Kleidung noch ein promiskuitives Intimleben. Es geht um die grundlegendsten Dinge: eine eigene Meinung zu haben, selbstständig zu sein und die eigenen Bedürfnisse offen zu kommunizieren. All das verträgt sich in den allermeisten Fällen einfach nicht mit dieser kulturellen Prägung.

​Mein Blick auf das Land ist heute geheilt von falscher Romantik. Für mich hat ein ganz neues, glückliches Kapitel begonnen: Ich habe eine kleine Hündin bekommen, ein wundervolles kleines Mädchen, das mich unglaublich glücklich macht. Mit ihr plane ich nun meine zukünftigen Reisen innerhalb von Europa.

​Ich danke euch allen für eure unermüdliche Arbeit hier im Forum!

gadi
Beiträge: 9476
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Re: ​Mein endgültiger Abschied von Ägypten – und ein spätes Danke an das Forum

Beitrag von gadi » 12.06.2026, 14:51

Hallo und willkommen im Forum.

Das Team wünscht dir einen guten Austausch.
Moderatorin
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gadi
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Re: ​Mein endgültiger Abschied von Ägypten – und ein spätes Danke an das Forum

Beitrag von gadi » 12.06.2026, 15:38

Danke für den Beitrag mit den Schilderungen und die lobenden Worte für das Forum. Es freut uns, dass unser Forum in einer schwierigen Zeit Orientierung und Unterstützung geben konnte.

An dieser Stelle möchten wir lediglich kurz darauf hinweisen, dass sich dieses Forum in erster Linie mit dem Thema Bezness und verwandten Fragestellungen befasst. Persönliche Erfahrungen und Wahrnehmungen haben selbstverständlich ihren Platz, zugleich bitten wir darum, den Fokus hauptsächlich auf die Thematik des Forums zu legen.

Viele liebe Grüße an die kleine Hundedame.
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Yeba12
Beiträge: 120
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Re: ​Mein endgültiger Abschied von Ägypten – und ein spätes Danke an das Forum

Beitrag von Yeba12 » 12.06.2026, 19:53

Ille hat geschrieben:
12.06.2026, 11:59
Zu dieser zwischenmenschlichen Kälte kam für mich die unerträgliche Tierquälerei. Ich musste mitansehen, wie Kinder Hunde mit Steinen bewarfen oder Esel ohne Grund mit Stöcken geschlagen wurden, während sie einfach nur dastanden und ausruhten.
Schockierend, nicht wahr? Als ich in El Queseir im Al Firdaus gewesen bin, haben einheimische Kinder genau dieses Verhalten an den Tag gelegt. Der Welpe hat sich unter unseren Füßen versucht von den Kindern zu verstecken. Ich musste diese Kinder anschreien, damit sie den Welpen in Ruhe lassen und wurde deshalb so angeschaut, als wäre etwas mit mir nicht in Ordnung. Wie können diese Kinder kein Mitgefühl mit diesem kleinen Welpen haben… Was stimmt mit diesen Kindern nicht? Empfinden sie überhaupt so etwas wie Mitgefühl? Die Antwort lautet NEIN. Das WARUM hat mich bis heute nicht losgelassen. Ich denke, dass da psychologisch so einiges im Argen liegt oder sie es so von ihren Eltern vorgelebt bekommen und dem Tier somit jede Daseinsberechtigung absprechen.

gadi
Beiträge: 9476
Registriert: 05.06.2014, 18:56

Re: ​Mein endgültiger Abschied von Ägypten – und ein spätes Danke an das Forum

Beitrag von gadi » 12.06.2026, 20:48

gadi hat geschrieben:
12.06.2026, 15:38
An dieser Stelle möchten wir lediglich kurz darauf hinweisen, dass sich dieses Forum in erster Linie mit dem Thema Bezness und verwandten Fragestellungen befasst. Persönliche Erfahrungen und Wahrnehmungen haben selbstverständlich ihren Platz, zugleich bitten wir darum, den Fokus hauptsächlich auf die Thematik des Forums zu legen.
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