RED FLAGS

Austausch über gemachte Bezness-Erfahrungen in diesem Land

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Yeba12
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RED FLAGS

Beitrag von Yeba12 » 16.07.2026, 15:40

Liebe Forummitglieder,

beim Lesen eines Beitrages hat es bei mir im Kopf spontan geklingelt… Ich habe in Ägypten sehr viel erzählt bekommen und jetzt im Nachhinein ist mir ein Lichtlein aufgegangen, dass es nicht nur Smalltalk gewesen ist, sondern lediglich dazu gedient hat, mir später eventuell, wenn die Sache für ihn gut ausgegangen wäre und ich angebissen hätte, das Geld vermutlich aus der Tasche zu ziehen.

Was sind Eurer Meinung nach die RED FLAGS in „harmlosen“ Erzählungen, die Bezness schon im Voraus andeuten könnte?

Toastie
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Re: RED FLAGS

Beitrag von Toastie » 16.07.2026, 17:43

Hallo Yeba!
Die Haupt-Red-Flag ist ja schon die "europäische" Kontaktaufnahme an sich! :x
Ich würde sagen die Red Flags in Bezzi-Erzählungen sind:

1) Alles zu spiegeln, was man selbst schon erzählt hat und dem man eine gewisse Bedeutung zumisst (Geschichten aus dem Leben aber auch Werte, Einstellungen, Vorlieben, Hobbies, Lieblingsdinge, die sich daraus einfach erschließen lassen, etc.). Wenn Unbekannte alles spiegeln ist das verdächtig.
2) Sehr enthusiastisch wirken zu Beginn aber relativ rasch auf "Probleme" zu sprechen kommen. Der Vater ist im KH, die Schwester braucht ne OP, man selbst braucht einen Job, etc. Also die harte Lebensrealität vor Augen halten und dadurch ein schlechtes Gewissen beim Gegenüber erzeugen: Red Flag!
3) Gar nichts mehr zu erzählen. Also schweigen und warten bis das Gegenüber sich bemüht, herauszufinden, was los ist und wie es helfen könnte! :lol: :twisted:
Jetzt wo ich darüber nachdenke, komme ich drauf, dass das gesprochene Wort eigentlich gar nicht so viel Aussagekraft hat im direkten Kontakt (über Handy ev. bisschen anders). Bei mir war es zumindest so. Ich bin auf den Bezzie viel mehr über non-verbale Kommunikation auf den Leim gegangen. Blicke, Mimik, Gesten. Dadurch manipulieren sie einen, die Worte sind nur unterstützend habe ich das Gefühl. Ich glaube das ist der Grund, warum Bezzies immer videotelefonieren wollen, weil die Manipulation ohne Körpereinsatz und Blicke gar nicht so leicht ist.
Liebe Grüße,
Toastie
Getoastet aber nicht verbrannt (Toastie)

Mignon
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Re: RED FLAGS

Beitrag von Mignon » 16.07.2026, 18:23

Hallo Yeba,

eine dicke red flag ist es, dass es diese Unterhaltungen überhaupt gibt. (Das ist in etwa das, was Toastie auch schrieb.) Denn:

1. Auch in europäischen Ländern fängt man mit dem Taxifahrer, dem Kellner oder irgend einem anderen Dienstleister keine persönliche Unterhaltung an. Ok, in dem kleinen Hotel an der Ostsee, in dem man seit Jahren absteigt, kann es schon sein, dass die Besitzerin oder der Stammkellner mal fragen: "Hatten Sie einen schönen Tag?" Meist sagt man dann lächelnd: "Ja danke. Der Ausflug nach xy war wunderbar, und wir haben sogar Robben gesehen." Man erzählt aber nicht, dass einen der Mann gerade verlassen hat, dass man gekündigt wurde und nun auch aus der Wohnung fliegt. Und der Kellner sagt nicht, dass seine Mutter im Krankenhaus liegt und sie irgendein Ersatzteil aus den USA braucht. Und schon gar nicht tauscht man Handy-Nr. und E-Mail-Adresse. Geschweige denn, dass der Kellner mit einem nach Feierabend um die Häuser ziehen will. Es werden in aller Regel bestimmte Grenzen gewahrt.

2. Völlig absurd wird das Ganze aber in muslimischen Ländern, wo einheimische Frauen erstens kaum allein verreisen und alle nötige Kommunikation mit Kellnern, Kofferträgern und Rezeptionisten ihrem Mann überlassen. Sollte eine einheimische Urlauberin oder Restaurantbesucherin mit einem Kellner sprechen, dann am liebsten ganz von oben herab in knappem Befehlston und ohne ihm dabei in die Augen zu sehen. Jegliche Vertraulichkeit ist absolut tabu und eigentlich undenkbar. Das (vermeintlich) freundschaftliche Verhältnis, das Touristinnen in muslimischen Ländern zu männlichen Dienstboten unterhalten, ist deshalb noch absurder, als es in Europa wäre. Das beginnt schon damit, dass übergriffige Fragen völlig arglos beantwortet werden. Fragt zum Beispiel ein Kellner eine Touristin nach ihrem Namen, ist das eine Unverschämtheit. In diesen Ländern haben alle unbekannten Frauen denselben Namen, nämlich "Madam". Eine andere Anrede kommt für einen Kellner nicht in Frage. (Zur weiteren Identifikation dient die Zimmernummer.) Noch abwegiger ist die Frage nach dem Alter. Das geht ihn nichts, aber auch gar nichts an. Die richtige Antwort ist weder das tatsächliche oder ein geschöntes Alter, sondern das völlige Ignorieren des Fragenden. (Einfach so tun, als sei er nicht da. Mit regloser Mine nach der Zeitung, dem Buch, dem Handy greifen.) Das gleiche, wenn er versuchen sollte, sich in Gespräche zwischen Touristen einzumischen, oder auch die Fotos sehen will, die man der Freundin zeigt: Sofort mit eisigem Blick in die Schranken weisen und ansonsten ignorieren. Das ist nicht rassistisch oder arrogant. Das stellt nur das normale Verhältnis zwischen Touristin und Dienstboten wieder her.

Yeba12
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Re: RED FLAGS

Beitrag von Yeba12 » 17.07.2026, 10:19

Toastie hat geschrieben:
16.07.2026, 17:43
Jetzt wo ich darüber nachdenke, komme ich drauf, dass das gesprochene Wort eigentlich gar nicht so viel Aussagekraft hat im direkten Kontakt (über Handy ev. bisschen anders). Bei mir war es zumindest so. Ich bin auf den Bezzie viel mehr über non-verbale Kommunikation auf den Leim gegangen. Blicke, Mimik, Gesten. Dadurch manipulieren sie einen, die Worte sind nur unterstützend habe ich das Gefühl.
Danke für Deine Ergänzungen. Nur kann ich mir nichts so richtig unter Mimik, Gestik, Blicke vorstellen… Könntest Du diesen Punkt vielleicht näher eingehen? Wie muss ich mir das vorstellen? Wie machen die das?

Yeba12
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Re: RED FLAGS

Beitrag von Yeba12 » 17.07.2026, 10:44

Mignon hat geschrieben:
16.07.2026, 18:23
Das (vermeintlich) freundschaftliche Verhältnis, das Touristinnen in muslimischen Ländern zu männlichen Dienstboten unterhalten, ist deshalb noch absurder, als es in Europa wäre. Das beginnt schon damit, dass übergriffige Fragen völlig arglos beantwortet werden.
Also ich finde, dass sich die muslimischen Länder durchaus in ihrer Tourismuskultur grundlegend voneinander unterscheiden. Ein freundschaftliches Verhältnis hat in einer seriösen Hotelanlage zwischen einem Gast und einem Bediensteten absolut nichts verloren. Freundlich und wertschätzend gegenüber ihrer Arbeit darf man durchaus sein, sollte aber darauf achten, dass diese zivilisierte Verhalten nicht als „Naivität oder Dummheit“ seitens der Mitarbeiter fehlinterpretiert wird.

In Marokko hatte ich einen freundlichen Umgang mit den Hotelmitarbeitern, niemand ist auf dumme Gedanken gekommen und hat nach Kontaktdaten oder persönlichen Informationen gefragt. Es hängt leider auch stark von Deinem Gegenüber ab, wer gerade vor Dir steht. Die Marokkaner habe ich als emotional intelligenter wahrgenommen, als die Ägypter.

Ich bin bisher 3x in Marokko gewesen und 4x in Ägypten. Meine gemachten Erfahrungen in diesen beiden arabischen Ländern in Sachen Professionalität könnten nicht unterschiedlicher sein. Sie unterscheiden sich wie Tag und Nacht voneinander.

Ägypten hat sich nicht umsonst einen Namen als das Reiseland international gemacht, welches man meiden sollte. Aus gutem Grund, da diese Beznessstrukturen intern gefördert werden, es ist ein fester Bestandteil des 🇪🇬 Tourismus.

Dieses grenzüberschreitende Verhalten der Bediensteten, also das Ausfragen der Gäste kenne ich so aus keinem Land. Wenn man das erste Mal in Ägypten ist, ist man denke ich schon etwas überfordert und versucht dieses Verhalten irgendwo als „kulturelle“ Besonderheit einzuordnen und begreift erst später, dass es nur dazu dient herauszufinden, wie viel aus einem herauszuholen ist.

Die Verhaltensweisen, die Du hier beschreibst, wie sich eine Touristin verhalten sollte, ist schon nicht falsch. Nur habe ich aber auch beobachten dürfen, dass diese Frauen in 🇪🇬 Sachen Service total ignoriert und benachteiligt worden sind. Wie verhält man sich denn in diesem Fall?

Yeba12
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Re: RED FLAGS

Beitrag von Yeba12 » 17.07.2026, 10:58

Ich ergänze mal die skurrile Liste der RED FLAGS:

(1) das Locken oder Winken mit Geld, Status, so nach dem Motto, ich bin kein armer Schlucker, schau mal, ich suche aktiv nach Gold und habe mir dadurch schon viel ermöglichen können, ich bin nicht wie die Anderen, würde niemals das Geld einer Frau annehmen und nötig habe ich es schon mal gar nicht

(2) ungefragte Mitteilen, dass man in einer unglücklichen Ehe steckt, mein Gott, das habe ich im Minutentakt zu hören bekommen, sie verheimlichen es ja nicht einmal mehr aus taktischen Gründen…

(3) wenn Dir eine Person (Ägypter) einfach so vorgestellt wird.

(4) wenn andere ägyptische Gäste bestens informiert über Deine Person das Gespräch mit Dir suchen. (Oh, ich Du siehst so aus, als würdest Du von XY herkommen, ich habe sehr gute Augen)

(5) Du bist ganz anders als die 0815 Touristin-Geschleime

(6) You are my friend! Nein, nein, und wieder nein.

GruenerFroach
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Re: RED FLAGS

Beitrag von GruenerFroach » 17.07.2026, 12:52

1. Familiäre (dramatische) Geschichten, denn solche Geschichten dienen später als Begründung für Geld oder Opferbereitschaft.
Bspw.
- „Ich bin der Einzige, der meine Familie unterstützt.“
- „X muss operiert werden.“
- „X hat Diabetes/Herzprobleme.“
- „X atte einen Unfall.“
- „Meine Familie ist sehr arm, aber wir haben Würde.“

2. Beruf und Geld, denn so wird oft eine spätere Geldbitte vorbereitet.
Bspw.
- „Ich verdiene eigentlich gut, aber mein Chef zahlt seit Monaten nicht.“
- „Ich bekomme nächste Woche mein Geld.“
- „Mein Konto ist vorübergehend gesperrt.“
- „Ich habe ein grosses Geschäft vor, mir fehlt nur ein kleiner Betrag.“

3. Übertriebene Romantik, vorallem wenn diese Aussagen schon nach wenigen Tagen oder Wochen kommen.
Bspw.
- „Du bist mein Schicksal.“
- „Ich habe noch nie so geliebt.“
- „Ich vertraue nur dir.“
- „Ich fühle, dass Gott uns zusammengeführt hat.“

4. Mitleid erzeugen, welches emotionale Abhängigkeit fördern kann.
Bspw.
- „Du bist der einzige Mensch, der mich versteht.“
- „Ohne dich wäre ich verloren.“
- „Ich habe nur dich.“
- „Alle haben mich im Leben verlassen.“
- „Niemand glaubt an mich.“

5. Kulturelle Erklärungen. Kulturelle Unterschiede sind real, problematisch wird es, wenn sie genutzt werden, um Druck oder finanzielle Forderungen zu rechtfertigen.
Bspw.
- „Bei uns ist das eben so.“
- „In meiner Kultur hilft man der Familie immer.“
- „Ein Mann muss stark sein.“
- „Eine gute Frau unterstützt ihren Mann.“
- „Du verstehst unsere Kultur nicht.“
- „Alle denken immer nur schlecht über Männer aus meinem Land.“


6. Schuldgefühle erzeugen (Sobald du Kritik äusserst, folgen solche Antworten)
Bspw.
- „Wenn du mich wirklich lieben würdest ...“
- „Warum vertraust du mir nicht?“
- „Ich hätte für dich alles getan.“
- „Du glaubst wohl den anderen mehr als mir.“
- „Du verletzt mich mit deinem Misstrauen.“

7. Geheimhaltung dient oft langfristig der Isolation.
Bspw.
- „Erzähl niemandem von uns.“
- „Unsere Liebe geht niemanden etwas an.“
- „Meine Familie darf das noch nicht wissen.“
- „Lass unsere Chats privat.“

8. Kleine unscheinbare Fragen, dienen als Test um Grenzen auszuloten.
Bspw.
- „Würdest du alles für mich tun?“
- „Wie weit würdest du für die Liebe gehen?“
- „Kann ich dir vollkommen vertrauen?“
- „Ich will nur wissen, ob du zu mir hältst.“


Sonstig bisher auffällige Formulierungen die mir begegnet sind:

- „Ich brauche kein Geld, nur dein Herz/ unsere Liebe.“ (später folgt oft doch eine Geldbitte)
- „Ich bin kein Betrüger.“
- „Alle denken immer nur schlecht über Männer aus meinem Land.“
- „Ich hasse Lügen.“
- „Vertrau einfach deinem Herzen.“

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