Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Austausch über gemachte Bezness-Erfahrungen in diesem Land

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gadi
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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von gadi » 06.01.2019, 10:40

Ninegal hat geschrieben:
06.01.2019, 10:03
Ich fahre nicht immer alleine nach Marokko. Wenn wir uns nur in der Marrakesch-Region aufhalten, ist mein Mann mit von der Partie. Den organisierten Reisen mit Bauchtanz und Wüstencamps kann er jedoch so gar nichts abgewinnen. Zu wenig Komfort, zu viel spiritueller Kram, zu viele Frauen. :D
Auch wenn du nur einmal alleine herumreist, gilt das schon als unanständig.
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Ninegal
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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von Ninegal » 06.01.2019, 10:48

JustListen hat geschrieben:
06.01.2019, 10:24
Ist A. eigentlich verheiratet?
Nein! Ich denke, er ist durch seine Erfahrungen in Europa in eine Zwickmühle geraten. Einerseits wünscht er sich eine Marokkanerin als Frau, weil ihm auch klar ist, dass das Zusammenleben mit jemandem, der aus dem gleichen Land kommt, ähnliche Auffassungen und Werte teilt, die gleiche Sprache spricht etc. deutlich weniger Konfliktpotenzial birgt als das Zusammenleben mit einer Frau, die anders sozialisiert wurde. Andererseits will er sich mit dem materiellen Fokus vieler Marokkanerinnen nicht abfinden. Dass eine Frau ihn vorrangig heiraten will, damit sie gut versorgt ist, reicht ihm nicht aus. Er möchte, dass Liebe das Hauptmotiv ist.
Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass er sein Leben als Junggeselle gar nicht so gerne aufgeben würde. Er kann tun und lassen, was er will. Er reist, er geht gerne am Wochenende in schicke Clubs, er kurvt mit dem Motorrad rum... Von ernsteren Frauengeschichten war schon länger nicht mehr die Rede. Trotzdem bin ich mir ziemlich sicher, dass er irgendwann eine bildhübsche Marokkanerin heiraten und Vater werden wird...

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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von gadi » 06.01.2019, 11:07

Ninegal hat geschrieben:
06.01.2019, 10:48
JustListen hat geschrieben:
06.01.2019, 10:24
Ist A. eigentlich verheiratet?
Andererseits will er sich mit dem materiellen Fokus vieler Marokkanerinnen nicht abfinden. Dass eine Frau ihn vorrangig heiraten will, damit sie gut versorgt ist, reicht ihm nicht aus. Er möchte, dass Liebe das Hauptmotiv ist.
(Ohne A. zwingend etwas unterstellen zu wollen:) Das ist ein Klassiker unter den Bezzie-Sprüchen.
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Thelmalouis
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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von Thelmalouis » 06.01.2019, 11:21

Ninegal hat geschrieben:
06.01.2019, 10:48
JustListen hat geschrieben:
06.01.2019, 10:24
Ist A. eigentlich verheiratet?
Nein! Ich denke, er ist durch seine Erfahrungen in Europa in eine Zwickmühle geraten. Einerseits wünscht er sich eine Marokkanerin als Frau, weil ihm auch klar ist, dass das Zusammenleben mit jemandem, der aus dem gleichen Land kommt, ähnliche Auffassungen und Werte teilt, die gleiche Sprache spricht etc. deutlich weniger Konfliktpotenzial birgt als das Zusammenleben mit einer Frau, die anders sozialisiert wurde. Andererseits will er sich mit dem materiellen Fokus vieler Marokkanerinnen nicht abfinden. Dass eine Frau ihn vorrangig heiraten will, damit sie gut versorgt ist, reicht ihm nicht aus. Er möchte, dass Liebe das Hauptmotiv ist.
Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass er sein Leben als Junggeselle gar nicht so gerne aufgeben würde. Er kann tun und lassen, was er will. Er reist, er geht gerne am Wochenende in schicke Clubs, er kurvt mit dem Motorrad rum... Von ernsteren Frauengeschichten war schon länger nicht mehr die Rede. Trotzdem bin ich mir ziemlich sicher, dass er irgendwann eine bildhübsche Marokkanerin heiraten und Vater werden wird...
Und dieses von A gewählte Lebensmodell passt sicherlich so überhaupt nicht zu den Vorstellungen und Erwartungen seiner Familie.
Da wird irgendwann doch die ausgewählte Jungfrau geheiratet und eine Familie gegründet und kein westliches Lotterleben geführt.
Der Druck der Familie ist nicht zu unterschätzen.

Wenn man diese Voraussetzungen kennt, ist dies bei A schon ein deutlicher Widerspruch.
Gruß Thelmalouis

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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von gadi » 06.01.2019, 11:23

Ninegal hat geschrieben:
06.01.2019, 10:48
Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass er sein Leben als Junggeselle gar nicht so gerne aufgeben würde. Er kann tun und lassen, was er will. Er reist, er geht gerne am Wochenende in schicke Clubs, er kurvt mit dem Motorrad rum... Von ernsteren Frauengeschichten war schon länger nicht mehr die Rede. Trotzdem bin ich mir ziemlich sicher, dass er irgendwann eine bildhübsche Marokkanerin heiraten und Vater werden wird...
Das kann er aber gerade auch verheiratet tun.
Da drängt sich mir sogleich ein Gedanke auf, warum schon länger nicht mehr von "ernsthaften Frauengeschichten" die Rede war.
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Mignon
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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von Mignon » 06.01.2019, 11:31

Welche Bedeutung hat eigentlich der "Bauchtanz" im marokkanischen Alltagsleben (außerhalb von Touristenzentren)? Nach allem, was ich bisher gelesen habe, ist der "Bauchtanz", so wie wir ihn uns vorstellen, ein Produkt des europäischen Orientalismus und Exotismus des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Die Bilder halbnackter hüftschwingender "Orientalinnen" entsprangen also nicht so sehr der Wirklichkeit, sondern mehr den feuchten Träumen der "Orient-Reisenden" und der verklemmten Europäer und Amerikaner. Demnach wurde der "Bauchtanz" dann in europäischen und amerikanischen Varietés und Nachtclubs von Europäerinnen etabiliert und fand später seinen Weg zurück in die Touristenkultur muslimischer Länder.

Ich kenne mich auf dem Gebiet aber zu wenig aus. Vielleicht können die Foristinnen, die selbst in Marokko oder anderen arabischen Ländern leben oder gelebt haben, etwas dazu sagen.

Zumindest scheint mir der Gedanke abwegig, dass in einem muslimischen Land anständige (!) Frauen mit entblößtem Bauch und tiefem Dekolletee vor Männern (!) solche sinnlichen Tänze aufführen. Ich habe auch mal gehört, dass diese Tänze nur praktiziert werden, wenn Frauen untereinander tanzen, also ohne männliches Publikum. Andere sagen, dass der Bauchtanz eher ins Rotlichtmilieu gehört. Aber wie gesagt: Ich wäre sehr interessiert an authentischen Informationen.

Ich frage mich aber, was wohl in "Mohammed" vorgeht, wenn Touristinnen, die ohne ihre Männer allein in der Wüste rumreisen, vor seinen Augen "Salome" spielen und ihre Hüften kreisen lassen.

(Um den Gedanken noch etwas weiter zu spinnen: Da Mohammed vermutlich noch nie nicht marokkanische Frauen hat bauchtanzen sehen, wird er annehmen, dass es eine Sitte schamloser Europäerinnen ist. Und so schließt sich der Kreis ...)

Ninegal
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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von Ninegal » 06.01.2019, 11:50

@Mignon: Ich bin da sicherlich keine Expertin auf dem Gebiet, kann dir nur von meinen eigenen Erfahrungen berichten. Ich habe damals, als ich bei A. wohnte, das ein oder andere Fest mitbekommen. Es wurde einmal im eigenen Haus gefeiert, da tanzten Frauen und Männer der weitläufigen Familie im gleichen Raum. Die Frauen allerdings vor allem den anderen Frauen zugewandt. Es kam auch vor, dass der Sohn mal kurz mit der Mutter tanzte. Die Frauen waren natürlich nicht halbnackt, aber sie bewegten sich schon sinnlich, ließen die Hüften kreisen, die Becken erzittern. Schon die kleinen Mädchen waren geschickt darin. Damals entstand bei mir der Wunsch, mich auch so geschmeidig bewegen zu können. Kurz darauf fing ich in Deutschland mit Bauchtanz an.
Innerhalb der Reisegruppe in Marokko hat keine europäische Frau sich halbnackt präsentiert. Wir tanzten in Hütten oder Zelten, mit langen Röcken und teilweise langarmigen Oberteilen. Kein Ausschnitt, keine durchsichtigen Materialien. Wir Frauen tanzten überwiegend unter uns und für uns, das marokkanische Team steuerte teilweise die Musik bei. Es ist natürlich schön, wenn man zu Live-Musik tanzen kann. Wenn das Band lief, tanzten auch mal die Männer kurz ihre „Vogeltänze“ :D mit...
Halbnackte Tänzerinnen habe ich nur in Marrakesch in Touri-Restaurants gesehen. Ich bin mir sicher, dass Marokkanerinnen, die sich so ihr Geld verdienen müssen, bei ihren Landsleuten nicht gut angesehen sind.

Ninegal
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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von Ninegal » 06.01.2019, 11:56

Mignon hat geschrieben:
06.01.2019, 11:31
Ich frage mich aber, was wohl in "Mohammed" vorgeht, wenn Touristinnen, die ohne ihre Männer allein in der Wüste rumreisen, vor seinen Augen "Salome" spielen und ihre Hüften kreisen lassen.
Er denkt sich wahrscheinlich, diese Frauen sind unbefriedigt, außer Kontrolle und auf der Suche nach einem Abenteuer. Unanständig sowieso.

Ninegal
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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von Ninegal » 06.01.2019, 12:02

Thelmalouis hat geschrieben:
06.01.2019, 11:21
Ninegal hat geschrieben:
06.01.2019, 10:48
JustListen hat geschrieben:
06.01.2019, 10:24
Ist A. eigentlich verheiratet?
Nein! Ich denke, er ist durch seine Erfahrungen in Europa in eine Zwickmühle geraten. Einerseits wünscht er sich eine Marokkanerin als Frau, weil ihm auch klar ist, dass das Zusammenleben mit jemandem, der aus dem gleichen Land kommt, ähnliche Auffassungen und Werte teilt, die gleiche Sprache spricht etc. deutlich weniger Konfliktpotenzial birgt als das Zusammenleben mit einer Frau, die anders sozialisiert wurde. Andererseits will er sich mit dem materiellen Fokus vieler Marokkanerinnen nicht abfinden. Dass eine Frau ihn vorrangig heiraten will, damit sie gut versorgt ist, reicht ihm nicht aus. Er möchte, dass Liebe das Hauptmotiv ist.
Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass er sein Leben als Junggeselle gar nicht so gerne aufgeben würde. Er kann tun und lassen, was er will. Er reist, er geht gerne am Wochenende in schicke Clubs, er kurvt mit dem Motorrad rum... Von ernsteren Frauengeschichten war schon länger nicht mehr die Rede. Trotzdem bin ich mir ziemlich sicher, dass er irgendwann eine bildhübsche Marokkanerin heiraten und Vater werden wird...
Und dieses von A gewählte Lebensmodell passt sicherlich so überhaupt nicht zu den Vorstellungen und Erwartungen seiner Familie.
Da wird irgendwann doch die ausgewählte Jungfrau geheiratet und eine Familie gegründet und kein westliches Lotterleben geführt.
Der Druck der Familie ist nicht zu unterschätzen.

Wenn man diese Voraussetzungen kennt, ist dies bei A schon ein deutlicher Widerspruch.
Ja, das Thema bekam er auch immer wieder zu hören, das hat für Kopfschütteln gesorgt. Seit sein Vater verstorben ist, hat sich meiner Ansicht nach der Druck jedoch etwas verringert.

gadi
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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von gadi » 06.01.2019, 12:11

Ist es vielleicht auch so, dass ungefähr seit sein Vater verstorben ist, man nichts mehr von "ernsthaften Frauengeschichten" hört?
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Ninegal
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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von Ninegal » 06.01.2019, 12:23

gadi hat geschrieben:
06.01.2019, 12:11
Ist es vielleicht auch so, dass ungefähr seit sein Vater verstorben ist, man nichts mehr von "ernsthaften Frauengeschichten" hört?
Nein, sein Vater ist schon vor ein paar Jahren gestorben. Dass ich nicht up-to-date mit seinen Frauenthemen bin, liegt eher daran, dass ich nicht mehr so regelmäßig nachfrage wie früher (es ist ja eh meistens das Gleiche) und dass wir uns beim letzten Besuch in Marokko nicht alleine gesehen haben. Also keine Gelegenheit, mal wieder dieses Thema zu erörtern.

Ninegal
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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von Ninegal » 06.01.2019, 12:47

@gadi: Ich spüre dein Misstrauen gegenüber A. ganz deutlich.

Lass mich noch mal die Eckpunkte zusammenfassen: Er ist in der oberen Mittelschicht aufgewachsen, hat auch in Frankreich studiert, in Deutschland gelebt und gearbeitet. Er ist aus freien Stücken nach Marokko zurückgegangen - unter anderem auch deshalb, weil er mit dem, was er verdiente, in Marokko fürstlich leben konnte. Er pflegt den Kontakt zu mir und meiner Familie seit zwanzig Jahren. Er ist zuverlässig, freundlich, hilfsbereit, bisweilen blumig in seiner Ausdrucksweise, emotional. Er bringt mich zum Lachen und ich ihn. Wir diskutieren gern, schicken uns Musik. Er denkt an meinen Geburtstag, an den Jahrestag unserer Freundschaft, er gratuliert uns an Weihnachten, er ist mit mir in die Kirche gegangen. Religion spielt in seinem Leben eine gewisse Rolle, aber keine entscheidende - er hält den Ramadan ein, spendet, betet aber nicht regelmäßig, geht selten in die Moschee. Er hatte ausländische Freundinnen bzw. Bettgeschichten (in seiner Zeit in Europa) und Beziehungen zu Marokkanerinnen. Er hat mir viel von sich und seiner Familie preisgegeben; die guten Dinge, aber auch den ein oder anderen Abgrund. Er hat mir von seinen beruflichen Stationen berichtet, aber auch die Pleiten nicht ausgelassen. Er hat mich in zwanzig Jahren nie um Geld oder andere materielle Zuwendungen gebeten und diese auch nicht erhalten. Er hat mich nach der anfänglichen Verliebtheitsphase nie wieder sexuell angemacht und mich immer, auch wenn wie alleine waren, ehrenhaft behandelt.

Denkst du wirklich, er könnte trotzdem ein Beznesser sein? Und was wäre denn dann sein Motiv?

Ponyhof
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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von Ponyhof » 06.01.2019, 13:08

Einerseits ist das hier ein Forum gegen Bezness, sprich, viele Teilnehmer sind sehr sensibel was Bezness-Frühwarnzeichen angeht. Andererseits würde ich bei einer 20jährigen Freundschaft, bei der der marokkanische Part wirtschaftlich gut situiert, interkulturell erfahren und reiselustig sowie reisefähig ist die Gefahr als relativ gering einschätzen. Scheinbar sind die Fronten auch geklärt, und solange um die grundsätzlichen Bezness-Mechanismen weisst (und das tust Du!) kannst Du wachsam sein. Es gab allerdings schon genug Fälle, wo die Typen es schafften, den Ehemann auszuspannen.

Dennoch: Ich sehe die Freundschaft zu A als das an, als was du es beschreibst: Eine sehr, sehr seltene Freundschaft. Ich würde dir da auch kein Misstrauen ins Hirn pflanzen wollen.

Bezüglich M ist das etwas anderes. Was er denkt, was er tut, blablabla, ist eigentlich völlig egal solange du nicht in Erwägung ziehst, dich mit ihm einzulassen oder "wegen ihm" nach Marokko reisen willst. Zwischen knallhartem Bezness und "dankbar Spenden annehmen", aber eigentlich ehrlich sein sind die Grenzen sehr fliessend. Natürlich KÖNNTE er auch der ehrliche lokale Hausverwalter sein, natürlich gibt es auch ehrliche Menschen in Marokko. Nicht jeder, der schlecht von dir denkt muss dich gleich ausnutzen, und nicht jeder, der ehrlich ist, ist und bleibt es immer bis an sein Lebensende.

Du musst einfach wachsam sein, und Dich immer und immer wieder auf dein hiesiges Leben und Deinen Mann konzentrieren. Dieses "A denkt das, A denkt jenes, ich glaube dass A..." und die Beschäftigung mit seinem Liebesleben sind da eher kontraproduktiv. Gleiches gilt für M.
„Nicht zu bekommen, was man will, ist manchmal ein grosser Glücksfall.“ Dalai Lama

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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von Agadirbleu » 06.01.2019, 13:32

@ Ninegal

[quoteHalbnackte Tänzerinnen habe ich nur in Marrakesch in Touri-Restaurants gesehen. Ich bin mir sicher, dass Marokkanerinnen, die sich so ihr Geld verdienen müssen, bei ihren Landsleuten nicht gut angesehen sind][/quote]

Die sogenannten Bauchtänzerinnen werden ausnahmslos als Pute abgestempelt; sie treten vornehmlich in Establishments auf in denen sich Araber aus den Golfstaaten aufhalten.
Mein Mann und ich kamen einmal, mehr durch Zufall, in einem 5* Hotel zum mitternächtlichen Programm dazu.
Alles arabische und marokkanische Gäste, kein einziger sichtbarer Touri. Es war eine absolut aufgeladene sexistische Atmosphäre; die
arabischen Gäste sprachen dem Alkohol reichlich zu. (der Einfachheit halber wurde gleich eine ganze Whyski-bottle geordert -:)

In den Touri-Restaurants/Hotels, ob in Marrakech, Fes, Agadir etc. wird eine "Vorstellung" gegeben und das war's.

Im privaten Kreis tanzen die Frauen mit viel Spaß und Freude unter sich, muss gar kein besonderer Anlass sein, einfach so aus Spaß !
Bei Hochzeiten habe ich beides erlebt: Mann und Frau getrennt beim Tanz (traditionell) und Frau und Mann in einem Raum, wobei auch hier eigentlich nach Geschlecht getrennt, getanzt wurde.
Beim 1., 2. Mal fand ich es interessant, aber später nur noch langweilig und ich ging nur hin, wenn es gar nicht zu vermeiden war.

Causa A:
Es entspricht absolut der Tatsache, das arrivierte, gebildete Marokkaner nicht gerne (früh) heiraten, sie schlussendlich beim Heiraten um die 40+ sind und eine Familie gegründet wird, weil es die Family erwartet und der Koran. Es wird eine Frau aus der Bourgeoisie gewählt, gebildet, gesund!, die dann ziemlich zügig den Stammhalter zu gebären hat. Zu clever darf sie auch nicht sein, weil sie sonst zu anstrengend wird. Aber eigenartiger Weise ändern sich die Frauen ohnedies meist sehr stark, wenn sie unter der Haube sind, so als gäben sie ihren Verstand bei der Schwiegermutter ab.

Den verheirateten Mann hindert es aber nicht, deswegen sein Leben zu führen, d.h. WE-Urlaub auf den Kanarischen Inseln mit Freunden, Kurzurlaub in Spanien oder Italien, WE im Club (vll geht Frau mit, bleibt aber nach dem Lunch beim Damen-Zirkel sitzen) Motorradfahren.....oder.....oder.
So gesehen, sind sie eigentliche richtige Genießer. Ich habe schon manchmal gesagt: wenn ich wieder auf die Welt komme, dann bitte als reicher Marokkaner :lol:

Alleinreisende europäische Frauen:
leider zeigt die Realität, dass sich manche Europäerinnen nicht gediegen -und das ist schon geschönt ausgedrückt - auf ihren MA-Reisen benehmen und oftmals ist es zum Fremdschämen. Im Süden konnte bislang ohne Vorbehalte sicher gereist werden, ich war mit meiner deutschen Freundin nicht nur ein Mal bis zur algerischen Grenze mit Linienbus/Sammeltaxi gefahren. Für Sicherheit ist gesorgt, da an den Straßen regelmäßig Kontrollen durch die marokkanische Polizei durchgeführt werden. Im Linienbus muss der Chauffeur angeben, wie viele ausländische Passagiere er "an Bord" hat und Reiseziel muss auch immer genannt werden, also man ist immer auf dem Radarschirm.
Neugierige Fragen von Marokkanern beantwortete ich eigentlich immer mit einer Gegenfrage.

Marokkanische Frauen auf Reisen:
hier hat sich im Laufe der Jahre eine Lockerung ergeben, die zwar der Öffentlichkeit noch nicht so bewußt ist:

Meine marokkanische Freundin, selbst Cadre in einem marokkanischen Unternehmen, ihr Mann Arzt, 3 erwachsene Kinder, reiste mit einer Gruppe von Kolleginnen/Freundinnen im Oktober 2018 für 1 Woche nach Istanbul. Kein Ehemann/Bruder/Sohn von der Partie. Die Ehemänner haben zugestimmt. Vorher haben Sie eine Pauschalreise nach Ägypten gemacht.

Meine andere Freundin, RÄ mit eigener Kanzlei, geschieden, 1 Sohn, reiste schon vor 15 Jahren mit ihren Fachkollegen (als einzige Frau) zum Meeting z. B. nach Jordanien, Libanon etc.

Liebe Ninegal, liest du auch Literatur von marokkanischen Schriftstellern?

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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von gadi » 06.01.2019, 15:10

Ninegal hat geschrieben:
06.01.2019, 12:47
@gadi: Ich spüre dein Misstrauen gegenüber A. ganz deutlich.

Lass mich noch mal die Eckpunkte zusammenfassen: Er ist in der oberen Mittelschicht aufgewachsen, hat auch in Frankreich studiert, in Deutschland gelebt und gearbeitet. Er ist aus freien Stücken nach Marokko zurückgegangen - unter anderem auch deshalb, weil er mit dem, was er verdiente, in Marokko fürstlich leben konnte. Er pflegt den Kontakt zu mir und meiner Familie seit zwanzig Jahren. Er ist zuverlässig, freundlich, hilfsbereit, bisweilen blumig in seiner Ausdrucksweise, emotional. Er bringt mich zum Lachen und ich ihn. Wir diskutieren gern, schicken uns Musik. Er denkt an meinen Geburtstag, an den Jahrestag unserer Freundschaft, er gratuliert uns an Weihnachten, er ist mit mir in die Kirche gegangen. Religion spielt in seinem Leben eine gewisse Rolle, aber keine entscheidende - er hält den Ramadan ein, spendet, betet aber nicht regelmäßig, geht selten in die Moschee. Er hatte ausländische Freundinnen bzw. Bettgeschichten (in seiner Zeit in Europa) und Beziehungen zu Marokkanerinnen. Er hat mir viel von sich und seiner Familie preisgegeben; die guten Dinge, aber auch den ein oder anderen Abgrund. Er hat mir von seinen beruflichen Stationen berichtet, aber auch die Pleiten nicht ausgelassen. Er hat mich in zwanzig Jahren nie um Geld oder andere materielle Zuwendungen gebeten und diese auch nicht erhalten. Er hat mich nach der anfänglichen Verliebtheitsphase nie wieder sexuell angemacht und mich immer, auch wenn wie alleine waren, ehrenhaft behandelt.

Denkst du wirklich, er könnte trotzdem ein Beznesser sein? Und was wäre denn dann sein Motiv?
Ninegal, nein ich denke nicht, dass A. ein Beznesser ist, jedenfalls keiner im "klassischen" Sinne. Es sei denn im Sinne von "Vortäuschen von rein freundschaftlichen Gefühlen, um vielleicht doch eines Tages mehr zu bekommen". Kunststück, denn er braucht ja nicht, was ein "klassischer Bezzie" so braucht (Aufenthalt, Geld,...).
Sein Satz "selbst deine Freundschaft..." (= dann ist es keine Freundschaft nach unserem Verständnis, nach seinem Verständnis ohnehin nicht möglich) hat mich irritiert, aufhorchen lassen.
Später hast du dann auch mehr dazu erklärt. Er war in dich verliebt, ihr seid in jungen Jahren gemeinsam gereist, habt euch sogar Zimmer in Hotels geteilt, dies mit Hilfe eines "Verlobungsvertrages".
Mir ist nicht bekannt, um was es sich dabei handelt. Vielleicht kann das jemand beantworten, der lange in Marokko gelebt hat. In Ägypten bräuchte man dafür einen sogenannten Urfi-(Ehe-)Vertrag (auch F...-Paper genannt). Ist das etwas vergleichbares?

Wenn er dich damals sexuell angemacht hat, wie du schreibst, und gemeinsam mit dir ein Zimmer geteilt, dann bedeutet das gleichzeitig aber, dass es ihm egal war, dich vor allen als "unanständige Frau" dastehen zu lassen. Bedeutet auch, er wollte dich nicht ernsthaft zu seiner Frau machen.

Falls er noch heute dein Begleiter sein will, z.B. in der Wüste, ist es das selbe. Wie stehst du dann da vor den Tour-Guides usw.?

Ich denke, er erzählt dir viel, aber auch nicht alles, wovon man meinen könnte, es gehe dich etwas an in so einer langjährigen "Freundschaft". Vielleicht auch u.a., um dir nicht weh zu tun.

Sein Vater (der ihn ganz sicher andauernd bekniet hat derart, dass er vor seinem Tod gerne seine Enkelkinder sehen würde) ist vor einiger Zeit verstorben, er nähert sich seinem 40. Geburtstag. Ich gehe davon aus, dass er nun verheiratet ist oder kurz davor steht.

Es geht mich überhaupt nichts an, Ninegal, aber wenn du magst: Was sagt eigentlich dein Mann dazu, wenn du manchmal alleine mit M oder auch A unterwegs bist/warst, teilweise über Nacht? Oder mit A als Aufpasser? Nochmal: Ich finde das nicht verwerflich. Aber es verwundert mich und...kann es nicht sein, du empfindest doch etwas mehr für A? Zwischen deinen Zeilen hab ich gemeint, das lesen zu können.

In deiner Ehe ist momentan alles gut?
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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von Nilka » 06.01.2019, 15:47

Ponyhof hat geschrieben:
06.01.2019, 13:08
Nicht jeder, der schlecht von dir denkt muss dich gleich ausnutzen, und nicht jeder, der ehrlich ist, ist und bleibt es immer bis an sein Lebensende.

Du musst einfach wachsam sein, und Dich immer und immer wieder auf dein hiesiges Leben und Deinen Mann konzentrieren. Dieses "A denkt das, A denkt jenes, ich glaube dass A..." und die Beschäftigung mit seinem Liebesleben sind da eher kontraproduktiv. Gleiches gilt für M.
Daumen hoch.
Sehr weise, gefällt mir. Immer vorsichtig sein und sich auf das Wichtige konzentrieren.
Kann einem viel Unangenehmes oder auch nur zeitraubende und nicht zu einer sicheren Diagnose führende Überlegungen ersparen. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass du Ninegal ausprobieren möchtest, ob Mohammed ein ehrlicher Mann ist. Wozu dann der ganze mentale Aufwand :?:
LG ♥ Nilka
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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von gadi » 06.01.2019, 17:43

Nilka hat geschrieben:
06.01.2019, 15:47
Kann einem viel Unangenehmes oder auch nur zeitraubende und nicht zu einer sicheren Diagnose führende Überlegungen ersparen. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass du Ninegal ausprobieren möchtest, ob Mohammed ein ehrlicher Mann ist. Wozu dann der ganze mentale Aufwand :?:
Und warum? :!:
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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von Ninegal » 06.01.2019, 17:56

@gadi:
A. hat mir damals keinen Heiratsantrag gemacht und wie wichtig ihm mein Ruf war, kann ich dir nicht sagen. Als ich mit ihm unterwegs war, habe ich jedoch das Wort „Hchouma“ oft von ihm gehört... also beschämend, ein Tabu, eine Schande. Er hat mir Dinge erklärt, die Mann/Frau in Marokko nicht tut. Ein Beispiel: Wir schauten in einem Hotel vorbei, in dem getanzt wurde. Wir tanzten auch, doch als er mir zu aufdringlich wurde, ließ ich ihn entnervt stehen und ging nach draußen an die frische Luft. Dort stand ein anderer Marokkaner, der gleich wissen wollte, warum ich alleine da draußen war und dann, als A. mir hinterherkam, diesem Vorhaltungen machte, weil er mich alleine gelassen hatte. Und A. war sauer auf mich, weil er sich von meinem Verhalten beschämt fühlte. Das gab dann wieder reichlich Diskussionsstoff! :roll: :D

Dass A. mit in die Wüste kommen soll, ist meine Idee gewesen. Er war seit 20 Jahren nicht mehr dort (das letzte Mal tatsächlich auf der Reise mit mir). Er redet schon seit Jahren davon, dass er mir (und natürlich meinem Mann, falls ihn das interessiert) mal Chefchaouen und die Region dort zeigen will. Ich möchte, dass er mal wieder mehr vom Süden sieht. Also haben wir einen Deal gemacht: Er zeigt mir/uns Tanger, Chefchaouen etc. und im Gegenzug kommt er vorbei, wenn ich wieder mit der Frauen-Reisegruppe am Rande/in der Wüste bin.

Mein Mann ist zurecht völlig entspannt, was das Verhältnis zu A. angeht. Und nein, da ist von meiner Seite aus wirklich nichts, was über sehr freundschaftliche Gefühle hinausgeht. Das war vor 20 Jahren nicht der Fall, als er noch mehr Haare hatte und schlanker war, und das ist heute nicht der Fall. Ich würde mir da aber von meinem Mann auch nicht groß reinreden lassen. A. war schon vor ihm ein guter Freund und er wird es hoffentlich auch immer bleiben.
Zum Thema Mohammed weiß mein Mann nicht sonderlich viel, ich habe ihm das mit dem Kuss nicht erzählt. Das hätte nur für unnötige Aufregung gesorgt.

Auch an Ponyhof und Nilka gerichtet: Es kam von mir offenbar so rüber, als würde ich mich ständig mit diesem Thema beschäftigen. Dem ist definitiv nicht so. Es ist vor allem während der Marokkoreisen mit den Frauen - und somit beim direkten Kontakt mit Mohammed - akut und es taucht immer wieder mal in meinem Kopf auf, wenn er mir schreibt („Was will er eigentlich von mir? Kann ich ihm trauen?“) und wenn ich mir hier im Forum die Erlebnisse anderer Frauen durchlese. Ich wollte jetzt einfach mal Eure Einschätzung dazu hören.

Jedenfalls möchte ich nicht auf diese Frauen-Reisen nach Marokko verzichten, weil sie wunderbar sind und mir große Freude bereiten. Wenn ich dadurch für den ein oder anderen Marokkaner automatisch eine unanständige Frau bin, finde ich das nicht schön, nehme es aber in Kauf. Auch Mohammed werde ich bei diesen Reisen bestimmt wiedersehen, aber momentan bin ich sehr geneigt, den Kontakt zu ihm auf ein Minimum zu reduzieren. Keine Soloaktionen mehr. Herausfinden, was er wirklich über mich denkt oder von mir will, werde ich ja wahrscheinlich sowieso nicht. Es ist den ganzen Aufwand auch nicht wert. Höfliche Distanz - das wird es wohl von meiner Seite aus werden.

@Agadirbleu: Sehr interessant, was du zu den Soloaktionen marokkanischer Frauen schreibst. Diese Entwicklung war mir auch nicht bewusst. Ich finde sie jedenfalls klasse! :D
Von marokkanischer Literatur habe ich leider bislang keine Ahnung, würde mich aber sehr freuen, wenn du mir da ein paar Empfehlungen geben könntest. Ich lese sehr gerne...

Eclipse
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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von Eclipse » 06.01.2019, 18:08

Ninegal hat geschrieben:
05.01.2019, 23:44
@Mignon:
Wir haben über die Gegend gesprochen, über unsere Familien, seine früheren Jobs, über Religion und deren Ausübung, über Musik, Alkohol, Kamele, (Bauch)Tanz, Kochen... Und ja, sicherlich habe ich ihn mehr ausgefragt als er mich! :D Groß hinterfragt habe ich längere Zeit nicht, warum er sich mit mir abgibt. Ich fand Gefallen daran und bin einfach davon ausgegangen, dass es bei ihm wohl so ähnlich ist. Dass er seine Zeit gerne mit mir verbringt...

Aber spätestens seit der freundlichen, aber schonungslosen „Kopfwäsche“ durch A. erscheint es mir zunehmend illusorisch, unter den gegebenen Voraussetzungen so etwas wie Freundschaft haben zu können. Allein der ganze Verhaltenskatalog macht das schon fast unmöglich... Und Eure kritischen Nachfragen bringen mich natürlich noch mehr ins Grübeln...
Ich kann eines nicht verstehen: WARUM Du Deine Zeit- und gedanklichen Kapazitäten mit diesem Mohammed vergeudest. Nach allem, was Du über ihn erzählt hast und angesichts dessen, wie DU Dich hier präsentierst (geschliffenes Deutsch, tadellose Orthographie, reflektiert, unabhängig im Geiste - und cool!) hast Du mit diesem - bitte entschuldige das harte Wort - mittellosen, ungebildeten Wüstenrandbewohner keine Basis für eine (ohnehin unwahrscheinliche) Freundschaft.

WAS bitteschön erwartet ein mittelloser, ungebildeter marokkanischer Wüstenrandbewohner von einer "Freundschaft" zu einer verheirateten Europäerin? Ich vermute ganz platt: Geld oder Sex. Oder beides oder eine Art Pied-à-terre in Europa. Was sollte er sonst erwarten? Tiefsinnige Gespräche über Kamele/das Wetter? Und vor allem: Was gibt DIR diese "Freundschaft"???

Vielleicht betreibst Du anthropologische Studien oder hast ein starkes Faible für exotische Assoziationen, ich weiß es nicht. Wie man es auch dreht und wendet: Es spielt etwas Ungutes in diese sonderbare "Freundschaft", man hat einfach kein gutes Gefühl. Der gigantische Unterschied finanzieller wie intellektueller Ressourcen. Der mindestens ebenso große, geradezu unüberwindliche kulturelle Unterschied (die Nummer mit der "sexuellen Belästigung", die Warnungen Deines Bekannten - Du musst doch stets mit angezogener Handbremse agieren aus Sorge, da irgendwas zum Eskalieren zu bringen). Mir wäre ehrlich gesagt meine Zeit zu schade, und viel zu heikel wäre mir das auch. Du weckst irgendwelche Erwartungen bei diesem M. (willst Du nicht, logo, tust Du aber). Falls er zufällig tatsächlich ein halbwegs anständiger Kerl sein sollte, wird es Dir immer schwerer und schwerer fallen, "ihn hängen zu lassen". Früher oder später kommt noch Dein Gewissen ins Spiel, Mitleid, das Gefühl einer gewissen freundschaftlichen Verpflichtung/Verantwortung. Vielleicht hat er tatsächlich mal einen Unfall - an wen wird er sich wohl wenden? Wie wirst Du damit umgehen? KANNST Du dann - falls Du mit so einer Story konfrontiert wirst, sei sie wahr, sei sie erlogen - immer noch sagen "Geht mich nix an"? Der mögliche Ärger, der Dir in der Angelegenheit widerfahren kann, scheint mir absehbar (im Gegensatz zum Benefit).

Hoffentlich kennt er Deine Adresse nicht.
Zuletzt geändert von Eclipse am 06.01.2019, 18:11, insgesamt 1-mal geändert.

Eclipse
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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von Eclipse » 06.01.2019, 18:10

Sorry, doppelt... und überschnitten haben die Beiträge sich auch noch. :D Distanz ist gut!

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