Geschichte 411 - Strafanzeige gegen Beznesser

Austausch über gemachte Bezness-Erfahrungen in diesem Land

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Martina 68
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Geschichte 411 - Strafanzeige gegen Beznesser

Beitrag von Martina 68 » 09.08.2025, 17:27

Hallo zusammen,

an dieser Stelle möchte ich mich mal wieder melden. Im November 2024 hatte ich ja geschrieben, dass ich Strafanzeige gegen S. wegen Liebesbetrugs bzw. Betrugs gestellt habe. Ihr wollt sicher alle wissen, wie es ausgegangen ist. Es wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Staatsanwaltschaft hat mir mitgeteilt, dass der Beschuldigte mir gegenüber keine strafrechtlich relevante Täuschungshandlung im Hinblick auf die Kosten für Flug, Hotel, Geschenke und sonstige Gebühren vorgenommen habe. Diese Ausgaben hätte ich letztlich freiwillig getätigt in der Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft mit dem Beschuldigten. Ich hätte mich auch selbständig dazu entschieden, erneut in die Türkei zu reisen. Auch meine Überweisungen von Deutschland aus hätte ich freiwillig in der Hoffnung getätigt, ihn wiederzusehen, auch wenn er mir auf emotionaler Ebene eine andere Absicht vermittelt hätte. Anders würde es sich mit den bar-Zahlungen verhalten, die ich ihm täglich ausgehändigt habe. Da er mir eine Rückzahlung zugesichert habe, komme eine Täuschung in Betracht. Aber für eine Anklageerhebung müsse eine Täuschung nachgewiesen werden. Dies könne nicht geschehen, weil S. später nochmals beteuert habe, dass er mir das Geld zurückzahlen wolle. Ein hinreichender Tatverdacht liege nicht vor.

Das Verfahren wurde eingestellt. Ich hatte ja sowieso wenig Hoffnung, dass dabei etwas herauskommt. Aber enttäuscht bin ich schon, zumal ich erfahren habe von einem Kontakt in der Türkei, dass S. mit mehreren Frauen nach mir die Nummer abgezogen hat. Eine dieser Frauen wollte auch Anzeige erstatten. Das Bittere daran ist, dass die Beznesser ungehindert weitermachen, weil sie wissen, dass ihnen nichts passiert. Ich könnte mich fast dazu hinreißen lassen zu sagen: Verbrechen lohnt sich!

Meine ganze Geschichte könnt Ihr ausführlich in meinem Roman (als E-Book) "Wenn der Mond weint" lesen. Danke an alle, die das bereits getan haben.

Habt ein schönes Wochenende
Martina

AnnaAn
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Re: Geschichte 411 - Strafanzeige gegen Beznesser

Beitrag von AnnaAn » 10.08.2025, 10:13

Bist du dir sicher, dass der Anwalt nicht Betrug feststellen konnte? Der Typ hat dich belogen, hat dich arglistig getäuscht und um Geld gebracht durch seine Täuschungsmanöver.

"Betrug (§ 263 StGB):
(1) Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, daß er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Der Versuch ist strafbar.
(...)"
https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__263.html


Demnach erfüllt Liebesbetrug den Tatbestand des Betrugs, da der Täter durch Täuschung einen Vermögensschaden beim Opfer verursacht. Wieso sieht dein Anwalt das als nicht gegeben?

Martina 68
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Re: Geschichte 411 - Strafanzeige gegen Beznesser

Beitrag von Martina 68 » 10.08.2025, 20:04

Hallo AnnaAnn,

ich habe keinen Anwalt hinzugezogen, sondern habe es bei der Polizei zur Anzeige gebracht. Die hat mir schon wenig Hoffnung gemacht, weil es schwierig sei im Ausland, insbesondere außerhalb Europas, zu ermitteln . Die Polizei hat den Fall dann der Staatsanwaltschaft übergeben. Ich weiß von Fällen, in denen Frauen zehntausende Euro und mehr verloren haben und auch keinen Erfolg hatten bzw. nach zehn Jahren einen Teil des Geldes zurückbekommen haben. Ich habe ja zum Glück noch rechtzeitig die Reißleine gezogen und die ganze Geschichte beendet. Viel schlimmer ist der seelische Schaden, den die Beznesser bei den Frauen anrichten.

Danke für Deine Antwort und einen schönen Abend!

Ponyhof
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Re: Geschichte 411 - Strafanzeige gegen Beznesser

Beitrag von Ponyhof » 10.08.2025, 20:29

Es war ja die Staatsanwaltschaft, die so geurteilt hat. Es ist haaresträubend, aber ich sehe hier leider mehrere Gründe für die Ignoranz.

1. Er hat zugesichert, das zurückzuzahlen - da kann man versuchen, ihm eine Frist zu setzen. Ob das Sinn ergibt: Wir wissen, dass es sinnlos ist. Aber von der rechtlichen Seite macht es für den Betrug bzw. dann Zahlungsverzug vielleicht einen Unterschied. Für den Betrug muss eben gegeben sein, dass es keine Rückzahlung gibt und auch der Wille dazu von Anfang an nachweisbar(!) nicht bestanden hat. Und da reicht offensichtlich schon ein “Aber ich will es doch noch zurückzahlen” aus, damit dieser Betrugsvorwurf in dieser Form nicht mehr möglich ist. Dass der Typ sich ins Fäustchen lacht, ist uns allen hier klar.

2. Den Opfern wird (insgeheim) eine Mitschuld gegeben. DIE “waren ja so doof,…”. Die “haben das freiwillig gemacht”. Die waren “verblendet”, “liebestoll”, das war ein “Gigolo”, “Callboy” etc.- das Ausmaß dieses Liebesbetruges, die Mechanismen dahinter und was das Ganze für die Opfer bedeutet ist den Staatsanwälten einfach nicht klar, und es interessiert sie auch nicht. Ich sage es ungern, aber ich glaube da spielt auch bei uns ein “es sind ja nur Frauen” eine Rolle. Und die haben gefälligst keine Sexualität zu haben, und selber auf sich aufzupassen. :twisted: (Nur zur Klarstellung: Nicht meine Meinung.) Genauso, wie bei den Vergewaltigungen sämtliche geistigen Verrenkungen getätigt werden, um bestimmte Tätergruppen von aller Schuld freizusprechen und am Ende war eben die Frau schuld, weil der Rock zu kurz, die Straße zu dunkel oder der Blick ins Glas zu tief war. Dass eigentlich jeder unabhängig von seinem Geschlecht, seiner Blutalkoholdichte und seinem Kleidungsstil das Recht hat, friedlich zu jeder Tageszeit in allen Bereichen des öffentlichen Raumes unbehelligt unterwegs zu sein, wird offensichtlich völlig ignoriert. Die Opfer werden dann eben zu “Erlebenden”, und wenn sie brav daheim geblieben wären, wäre ja nix passiert. Also selber schuld. Und wenn Du die Zahlungen nicht freiwillig getätigt hättest….die gleiche Logik, genauso bekloppt.

3. Die Staatsanwaltschaften sind völlig überlastet, und sind froh über jedes Verfahren, was sie nicht weiter verfolgen müssen. Da werden Sachen ad acta gelegt, die man mit genügend zeit sicher weiter verfolgen würde. Wenn man sich aber ansieht, um wie viele Prozent die Verbrechensrate angestiegen ist, kann man diesen Teil nachvollziehen. Es ist bitter- aber gegen die allgemein gesteigerte Rate der Schwerverbrechen vor der Haustür verschwindet so ein Liebesbetrug in der Türkei im Hintergrundrauschen.
„Nicht zu bekommen, was man will, ist manchmal ein grosser Glücksfall.“ Dalai Lama

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Re: Geschichte 411 - Strafanzeige gegen Beznesser

Beitrag von AnnaAn » 11.08.2025, 01:53

Martina 68 hat geschrieben:
10.08.2025, 20:04
Hallo AnnaAnn,

ich habe keinen Anwalt hinzugezogen, sondern habe es bei der Polizei zur Anzeige gebracht. Die hat mir schon wenig Hoffnung gemacht, weil es schwierig sei im Ausland, insbesondere außerhalb Europas, zu ermitteln . Die Polizei hat den Fall dann der Staatsanwaltschaft übergeben. Ich weiß von Fällen, in denen Frauen zehntausende Euro und mehr verloren haben und auch keinen Erfolg hatten bzw. nach zehn Jahren einen Teil des Geldes zurückbekommen haben. Ich habe ja zum Glück noch rechtzeitig die Reißleine gezogen und die ganze Geschichte beendet. Viel schlimmer ist der seelische Schaden, den die Beznesser bei den Frauen anrichten.

Danke für Deine Antwort und einen schönen Abend!
Sorry ich hatte doch tatsächlich den Staatsanwalt zum Anwskt gemacht.
Danke, dass du deine Geschichte hier weiter erzählst. So traurig das:slkes ist, es hilft anderen sehr ...

Miss Bean
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Re: Geschichte 411 - Strafanzeige gegen Beznesser

Beitrag von Miss Bean » 11.08.2025, 10:15

Hast Du auch Zahlungen via Western Union getätigt?

Wenn ja, kannst Du den Betrug dort noch anmelden. Wenn Du diesen gelben Zettel noch hast, den Du bekommst, wenn Du Geld einzahlst, kannst Du ihn dort hinschicken:

https://www.westernunion.com/global/de/ ... urces.html

Meine Wenigkeit und noch jemand hier (ich glaube, es war Toasti?) haben damit Erfolg gehabt und den größten Teil des Geldes zurückerhalten.

Ich selbst musste dort lediglich diesen gelben Zettel hinschicken und nichts weiter begründen, nichts beweisen, nichts. Ich habe es nur als Betrug angemeldet und ich nehme an, die haben sich dann mit dem Bezznesser, der ja seinen Ausweis vorlegen muss bei Geldabholung, in Verbindung gesetzt und diesen zur Rückzahlung aufgefordert. Ich bekam dann nach einer ganzen Weile (dauerte sicher an die zwei Jahre) einen Scheck zugesandt mit fast dem Betrag, den ich damals übermittelt hatte.

Auch wenn das Geld nicht zurückkommt, sollte man ihn dort melden, denn Western Union will mit Betrügern nichts zu tun haben und die merken sich die Knaben dann dort vor und beenden die Mitwirkung. So können sie auf die Weise von anderen Frauen schon mal nichts mehr abzocken und da überlegen sie sich wohl, ob sie einen (kleinen) Betrag zurückzahlen oder ob ihnen die Möglichkeit des Transfers zukünftig nicht mehr möglich ist.

So hast Du dann auch wenigstens noch ein wenig Genugtuung und sie merken, dass sie eben doch nicht so ganz folgenlos machen können, was sie wollen.

Martina 68
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Re: Geschichte 411 - Strafanzeige gegen Beznesser

Beitrag von Martina 68 » 12.08.2025, 11:45

Hallo Miss Bean,

danke für den Tipp, sehr gut. Das Problem ist nur, dass ich keinen gelben Zettel habe, da ich Geld online per Western Union geschickt habe. Hast Du da eine Idee, ob man das trotzdem zurückverlangen kann? Das Ganze ist auch schon drei Jahre her.

Viele Grüße
Martina

Miss Bean
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Re: Geschichte 411 - Strafanzeige gegen Beznesser

Beitrag von Miss Bean » 12.08.2025, 11:51

Darüber müsstest Du dann ja noch irgendeinen Zahlungsbeleg haben?!

Einen Kontoauszug, eine Transfernummer?

Mit Onlineüberweisung kenne ich mich leider nicht aus, aber ich denke, das kann man dort natürlich auch anmelden, wenn Du da noch was hast an Zahlungsbelegen.

Martina 68
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Re: Geschichte 411 - Strafanzeige gegen Beznesser

Beitrag von Martina 68 » 21.08.2025, 16:29

Hallo Ponyhof,

danke für Deinen Beitrag. Von dieser Seite habe ich das noch gar nicht gesehen. Ich gebe Dir in allen Punkten Recht. Es wird immer gesagt, dass man Fälle von Liebesbetrug anzeigen soll. Auch wenn die Polizei meine Anzeige aufgenommen hat, hat sie mir wenig Hoffnung auf Erfolg gemacht. Und die Staatsanwaltschaft hat es bestätigt. So können die Betrüger ungehindert weitermachen, weil sie wissen, dass ihnen nichts passiert. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen. Man kann also nur andere Frauen warnen, sich erst gar nicht auf diese Typen, die einem Liebe schwören bis der Arzt kommt, einzulassen.

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