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von karima66 » 30.01.2026, 13:56
Schatzkiste trifft es gut, danke, gadi für die wärmenden Worte!
Ich habs noch nicht ganz aufgegeben positiv zu denken auch wenns oft schwer fällt und so denke ich wenn auch nur ein Mensch hier liest und warum oder wofür auch immer es diesem hilft, etwas ändert, Gedanken anschiebt dann ists mir die Zeit wert.
Und mir gehts zumindest so, dass hier zu schreiben mich eher motiviert als Tagebuch mittlerweile denn diese alle stehen rum und werden verschwinden wenns mich nicht mehr gibt und ich betrachte es auch nicht als einseitig hier denn es hilft ja auch mir bei der Selbstreflektion auf mein Leben und man entdeckt manchmal etwas das längst verschüttet, vergessen wurde.
Es ist die Entwicklung in der Gesellschaft die diese Selbsbedienung unterstützt, man konsumiert alles nicht nur Dinge und nimmt sich, geben seltener und es gibt diese Erwartungshaltung, dass immer alles selbstverständlich verfügbar ist, man nur zugreifen braucht und wehe da ist mal nichts da....oder nicht das was man sich vorstellte.
Dazu passend was Yeba schrieb, wie kann man so niederträchtig sein und andere Menschen so ausnutzen und betrügen, es sind auch in diesen Ländern illusorische Erwartungen, durchs Internet, vorher schon durchs Sateliten TV falsche Vorstellungen vom Leben in Europa die noch durchs Vorspielen von Landsleuten die hier leben unterstützt zu solchem Verhalten führen.
Leider ists so, dass sich in den Touristenorten alle die tummeln die meinen ihnen steht mehr vom grossen Kuchen zu als sie haben und das trifft auf Urlauber die oft eh ein schlechtes Gewissen haben ihren Wohlstand betreffend und ein Helfersyndrom was es noch schlimmer macht alles, sich gegenseitig befruchtet.
Ich bin nicht in Ägypten gewesen, leider, aber ich hatte lange viel Kontakt mit einer ägyptischen Familie hier und hab eine Freundin die oft in Kairo ist, vorher hatte ich mal einen Schwager der drei Jahre auf einer Tauchbasis dort lebte und seine und meine Erfahrungen deckten sich oft, wir haben stundenlang oft uns ausgetauscht, es sind schon viel dieselben Mechanismen zumindest was im Tourismus passiert und ja auch dieselbe Religion die den Alltag bestimmt.
Ich denke Tunesien ist etwas offener und fortschrittlicher, nicht immer im Alltag, manchmal nur auf dem Papier, aber doch schon , nicht ohne Grund begann dort der sogenannte arabische Frühling.
Es passierte dort dasselbe wie auch nach dem Mauerfall hier.....es gab eine Euphorie die auch ich empfand, dasselbe Gefühl wie bei uns 89, man wurde mitgerissen und träumte von einer besseren Welt vor allem Freiheit, was auch immer man damit definiert, so ein grosses Wort und dann wars schnell vorbei mit der Euphorie und der Alltag brachte ein paar wenige positive Veränderungen erst, dann nur Chaos, dann Rückschritt und jetzt ist fast alles beim Alten oder zumindest nicht positiv, in manchen Ländern schlimmer als vorher, es ist immer die Wirtschaft die sich nicht mitentwickelt, Ideologien, Machtinteressen sorgen dafür, dass es den Menschen wirtschaftlich nicht besser geht oft schlechter als vorher, was nutzt dann eine vermeintliche Freiheit wenn man nichts zu essen hat und wie überall nutzen dann manche Menschen Gegebenheiten aus um sich zu bereichern.
Anfang der 90iger wars in Tunesien noch nicht so schlimm mit Bezness, es wurde stetig mehr und ich habs erlebt, dass auch Menschen die eigentlich nicht so waren dann am Ende es doch auch Bezness probierten wie es ihnen andere vormachten um für ihre Familien was abzukriegen, den Alltag zu erleichtern.
Es gibt ja wie bei allem eine riesige Bandbreite im Bezness, klar Betrug ist nie zu entschuldigen, aber nicht alle sind in dem Sinne eiskalt, gewalttätig, kriminell, ich kannte einige mit denen ich auch geredet hab die einfach schauten wie sie zu bissl mehr Wohlstand kamen was dann nicht hiess Auto usw.....sondern Spielzeug für die Kinder, Haushaltsartikel zur Erleichterung mancher Arbeiten, bissl Mehr Geld um etwas mehr auf dem Markt kaufen zu können....ja, manche nahmen bzw gaben dann auch ausserehelich Sex....das ist in Tunesien ohnehin auch unter Einheimischen nicht ungewöhnlich, Treue wird dort nicht gross geschrieben.
Das soll nichts entschuldigen, aber um manches manchmal besser zu verstehen und um zu verdeutlichen, dass wenn ein so grosses wirtschaftliches Gefälle zwischen Menschen besteht es immer ungesund ist für eine Beziehung.
Und so lange dieses weiter besteht wirds auch Bezness geben wenn man sich nicht durch Wissen davor schützt.
Eine kurze Zeit gab es nach 2011 wars glaub ich dieser "Frühling" eine Chance was Bessers draus zu machen, aber die ökonomischen Vorraussetzungen waren schlecht und es bremst auch die Religion, die Regeln in der Gemeinschaft vieles aus, ich hab dort noch weniger Menschen getroffen als hier die sich selbst reflektieren, Individualität die hier oft mit Egoismus einhergeht kennt man wenig, sich ausschliessen aus der Gruppe geht dort schwer, man passt sich an und so kommt man oft nicht weiter, wenn man Eigenverantwortung und das Leben in die eigene Hand nehmen und loslegen, zielstrebig nie gelernt hat dann sitzen viele dort, warten, dass die Familie hilft bzw Allah.....den Satz " Allah wirds schon richten" hab ich hassen gelernt denn so wird nichts fertig.
Das Eine bedingt das Andere.....man tut nichts, aber möchte alles haben....pauschal gesagt jetzt....
Es ist schade denn ich hab dort auch viel Solidarität, Herzlichkeit und Hilfe erlebt was hier manchmal verloren geht.....aber die andere Seite ist das was man hier dann lesen kann, leider.....
Das ist jetzt alles zu kurz und aus dem Zusammenhang.....ein weites Feld, historisch....Europa hat in den 90igern eine Chance verpasst und Tunesien hat evtl aus ähnlichen Gründen einen Frühling auch verpasst und ist im Winter gelandet.