Erfahrungen in Tunesien

Das Leben in einem orientalischen Land.

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gadi
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Erfahrungen in Tunesien

Beitrag von gadi » 25.01.2026, 18:52

...hier kann weiterdiskutiert werden (Abzweigung vom "Gefahr-erkannt-Thread"):

Yeba fragte im "Gefahr erkannt-Thread":
Liebe Karima,

darf ich Dich fragen, wie lange Du in Tunesien gelebt hast und vor allem wie hast Du Dich dort zurechtgefunden bzw. an die dort herrschende Kultur als Deutsche angepasst?
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Yeba12
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Re: Erfahrungen in Tunesien

Beitrag von Yeba12 » 25.01.2026, 22:14

gadi hat geschrieben:
25.01.2026, 18:52
...hier kann weiterdiskutiert werden (Abzweigung vom "Gefahr-erkannt-Thread"):

Yeba fragte im "Gefahr erkannt-Thread":
Liebe Karima,

darf ich Dich fragen, wie lange Du in Tunesien gelebt hast und vor allem wie hast Du Dich dort zurechtgefunden bzw. an die dort herrschende Kultur als Deutsche angepasst?
Sehr aufmerksam, liebe Gadi! :)

karima66
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Re: Erfahrungen in Tunesien

Beitrag von karima66 » 26.01.2026, 18:58

Liebe Yeba,

vorweg, auch wenns vielleicht mühsam ist das rauszusuchen, gibt es hier zig Beiträge von mir wo ich meist ausführlich meine Erfahrungen mitteile.

Deshalb kürzer, aber natürlich möchte ich deine Fragen beantworten.
Bevor ich dort lebte kannte ich Tunesien aus nicht ganz 10 Jahren Urlauben, nach 3 Jahren Pauschalreisen dann meist Individualreisen, erst mit Partner, dann alleine.
Zuletzt bevor ich auswanderte war ich meist 2-3mal im Jahr dort.
Habe viele Bücher schon in der Zeit gelesen um mit der Gesellschaft dort vertrauter zu werden, mich mit der Religion beschäftigt und ich sprach damals schon französisch.
Dann passte es hier grad meine Situation, dass ich von allem frei war um es zu wagen.
Ich hab bis auf wenige Kisten bei meinen Eltern alles aufgelöst und bin mit 6 Gepäckstücken los, hatte weder Arbeit noch Unterkunft da ich von hier aus nicht gut was finden konnte, war die Zeit vor Internet/Handy.
Ich kannte aber eine Familie die mich abholte und bei denen ich anfangs unterkommen konnte, es wurden 3 Wochen daraus da sie leider etwas weit weg wohnten von Touristenorten und mich auch nicht alleine losziehen lassen wollten, sie fühlten sich verantwortlich.
Es war total interessant mit der Familie Alltag zu leben und schon da fing ich an den tunesischen Dialekt zu lernen da die Frau mit der ich ja die meiste Zeit zusammen war kein französisch konnte.
Es fand dann jemand aus der weiteren Familie für mich eine Wohnung und dann konnte mein eigenständiges Leben beginnen.
Ich stellte schnell fest, dass Urlaub und dort leben im Alltag zwei ganz verschiedene Geschichten sind, was einem Urlauber verziehen wird, man drüber wegsieht wird ganz anders bewertet und mit umgegangen wenn man dort lebt noch dazu als Frau alleine worüber sich eh alle wundern, da sie von Europa träumen können sie null nachvollziehen wieso man dorthin kommt und leben will, ich muss dazu sagen ich hab wie die normalen Einheimischen gelebt, hatte kein Geld ausser etwas womit ich den ersten Monat hinbekam, dann hab ich gekellnert, allerdings ohne Papiere und es war hart, wenig Geld für viele, lange Tage, hab die wenige Freizeit genutzt aufm Markt einzukaufen und einmal im Monat die Gruppe deutscher Frauen zu treffen, AFART hiess der verein glaub ich, weiss nicht obs den noch gibt, das war zwar hilfreich für manche Dinge die ich lernen musste, aber die Frauen lebten fast alle verheiratet dort mit Haus und Arbeit in deutschen Firmen, Textil usw...
Hab dann am einzige freien Tag tunesisch gelernt mit einigen anderen europäischen Frauen bei einer Arabischlehrerin und wendete das im Alltag an.
Es öffnete Türen, trotzdem fühlte man sich oft einsam und es war schwierig mit Kontakten, mit Männern ja eh selten und kompliziert wegen Nachbarn usw, wenn man auch nur ein wenig respekt von Nachbarn usw wollte dann wars nicht so einfach mal einen Mann zu treffen.
Mit einheimischen Frauen auch schwer und dieses Gerede war schon anstrengend.....
Hab dann lange andere Arbeit gesucht, erlebt wie unzuverlässig dort Absprachen waren und Versprechungen, fand dann aber eine tolle Arbeit, weil toller Chef in einer kleinen Privatklinik.
Ich lebte fast 2 Jahre am Stück so also ohne zwischendurch nach Deutschland zu fliegen, hätte ich mir mit dem tunesischen Gehalt auch gar nicht leisten können.
Dann lernte ich einen Mann kennen der dann doch etwas anders war im Gegensatz zu allen anderen zumal ich ihn ja im Alltag kennenlernte und er wusste ich hatte nicht vor zurück nach D zu gehen, als er mir dann aus einer Notsituation half (Gewalt) und ich aus dem Ort weg musste bin ich zu seiner Familie 500km weit weg, fast Algerien, dort lebte ich 4 Monate mit den Menschen in dem kleine Ort, bekam nochmal mehr Einblick ins urprüngliche Tunesien.
Ich war eigentlich nach den 2 Jahren gut angekommen, ging oft als Einheimische durch, weil ich mich so bewegte und wollte trotz dem nicht einfachen oft eingschränkten Leben dort bleiben.
Allerdings verliebte ich mich nach der Zeit in diesen Mann und der Plan war ein paar Jahre nach D zurück um später in Tunesien ein kleines Geschäft aufzumachen.
Es scheiterte nicht an Bezness, sondern an trotz allem Wissen der unterschiedlichen Sozialisation und zurück wollte er dann auch nicht mehr.
Ich flog dann wieder mehrmals im Jahr hin nach der Trennung, war jetzt aber lange nicht mehr dort.
Hab aber noch Kontakte um vieles zu erfahren und bilde mich anhand von vielen Büchern weiter, nicht nur Maghreb, auch Nahost, wie vorher schon.

Was ich alles im Detail erlebte, so viele Begebenheiten, auch viele Beznessgeschichten das füllt fast 10 Tagebücher, hier kann es immer nur ein Abriss sein oder zu bestimmten Themen.

Yeba12
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Re: Erfahrungen in Tunesien

Beitrag von Yeba12 » 28.01.2026, 12:17

karima66 hat geschrieben:
26.01.2026, 18:58
Liebe Yeba,

vorweg, auch wenns vielleicht mühsam ist das rauszusuchen, gibt es hier zig Beiträge von mir wo ich meist ausführlich meine Erfahrungen mitteile.
Liebe Karima,

die Suchfunktion ist mir bekannt und ich habe sowohl Deine als auch die Beiträge von Lizzie sehr aufmerksam durchgelesen.

Ich finde es sehr mutig und bemerkenswert, dass Du als Frau alleine nach Tunesien ausgewandert bist.

Wenn Du ein Buch schreiben würdest, würde ich es sehr gerne lesen :)

karima66
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Re: Erfahrungen in Tunesien

Beitrag von karima66 » 29.01.2026, 07:28

Danke, liebe Yeba, ich hatte lange die Idee ein Buch zu schreiben, hatte sogar schon einen Titel " Der Kharrouba Baum"....
Heute denke ich es gibt schon so viele solche Bücher und in meinem momentanen Leben ist dafür kein Platz.
Hier schreib ich gerne dazu wenns passt und hilfreich ist.
Hast du Fragen immer gerne....

gadi
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Re: Erfahrungen in Tunesien

Beitrag von gadi » 29.01.2026, 13:13

Liebe karima,

ich habe es neulich schon in einem anderen Thread geschrieben, für mich ist unser Forum wie eine Schatzkiste (an Wissen, Erfahrungen, viel Leid aber auch viel Freude), man muss sie nur öffnen.

Und das gilt besonders auch für Beiträge wie deine, u.a. über deine Erfahrungen in Tunesien. Von daher empfinde ich deinen Hinweis auf die Suchfunktion als sehr wertvoll und wichtig. Genauso freue ich mich auf deine zukünftigen Beiträge hier bei uns. Und wer weiß, vielleicht passt es irgendwann einmal in dein Leben rein, den Kharrouba Baum zu verwirklichen. Wie auch immer (so oder so ist es gut), auch das Forum ist eine Art Buch, wenn du so willst, mit uns allen als Autoren.

Eingeschobener Gedanke: Wenn denn nur mehr User die "Schatzkiste" öffnen und würdigen würden. Bei manchen kommt es mir so vor, als sähen sie das Forum als reinen "Selbsbedienungsladen". Im schlimmsten Fall werden "ein paar Brocken hingeworfen", gutmeinende User mühen sich mit Antworten ab, die dann evtl. gar nicht mehr gelesen werden bzw. auf die dann nicht mehr oder nicht ernsthaft eingegangen wird. Auf die Spitze getrieben wird dies freilich durch nicht allzuwenige "frei erfundene Geschichten/Identitäten", alles auf Kosten der bemühten und mitfühlenden User. Aber nun gehe ich zu weit, vielleicht eröffne ich hierzu einmal einen separaten Thread.


Liebe Yeba,

du bist eine von jenen, die das Prinzip "Schatzkiste" schon lange erkannt haben. Das ist nicht selbstverständlich und freut mich ehrlich. Die Beiträge von Lizzie habe ich auch immer sehr gerne gelesen.
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Yeba12
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Re: Erfahrungen in Tunesien

Beitrag von Yeba12 » 29.01.2026, 14:10

karima66 hat geschrieben:
29.01.2026, 07:28
Danke, liebe Yeba, ich hatte lange die Idee ein Buch zu schreiben, hatte sogar schon einen Titel " Der Kharrouba Baum"....
Heute denke ich es gibt schon so viele solche Bücher und in meinem momentanen Leben ist dafür kein Platz.
Hier schreib ich gerne dazu wenns passt und hilfreich ist.
Hast du Fragen immer gerne....
Schade. Vielleicht änderst Du Deine Meinung irgendwann, wer weiß :)

In Tunesien war ich noch nicht, aber wenn ich mir die zahlreichen Beiträge so anschaue, dann liegt Tunesien in Sachen Bezness mit Ägypten gleichauf…

Bist Du in Ägypten gewesen und wenn ja, kannst Du einen Vergleich zwischen beiden Ländern ziehen?

Wenn ich Marokko mit Ägypten vergleiche, dann sind da Welten… Wie würdest Du den arabischen Frühling in Tunesien werten?

Yeba12
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Re: Erfahrungen in Tunesien

Beitrag von Yeba12 » 29.01.2026, 14:35

Liebe Gadi,

das ist mir auch aufgefallen, es mangelt ganz einfach an Wertschätzung. Als wäre es selbstverständlich, dass andere Menschen ihre Zeit und Energie bereitstellen… Ganz egal, ob einem die Beiträge gefallen oder nicht. Und vor allem das eigene Verhalten mal kritisch reflektieren… Wäre wünschenswert.

Als ich die Suchfunktion durchgegangen bin, bin ich auf eine junge Frau gestoßen, die bei ihrem Bezzi ein Manipulationsbuch gefunden hat… Ich finde das nur noch krass, was das für ein psychologisch gestörter Sumpf an Kriminalität ist.

Das Thema Bezness hat mich erst in Ägypten gefesselt, weil ich das Ausmaß so erschreckend finde. Und ich habe bewusst einen großen Bogen um Hurghada gemacht. Ich hatte so viele Verständnisfragen vor Ort… Ich musste dieses Phänomen lösen. Es hat mir keine Ruhe gelassen. Dank Eurem Forum habe ich es entschlüsselt und meinen Frieden gefunden.

Euer Forum ist wirklich ein Schatz, ich dachte erst, ich bilde mir das alles ein, aber nein, das Ausmaß ist einfach nur erschreckend. Jeder weiß es, jeder macht verlogen mit… Das musste ich erst einmal verdauen, diese Niedertracht.

karima66
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Re: Erfahrungen in Tunesien

Beitrag von karima66 » 30.01.2026, 13:56

Schatzkiste trifft es gut, danke, gadi für die wärmenden Worte!

Ich habs noch nicht ganz aufgegeben positiv zu denken auch wenns oft schwer fällt und so denke ich wenn auch nur ein Mensch hier liest und warum oder wofür auch immer es diesem hilft, etwas ändert, Gedanken anschiebt dann ists mir die Zeit wert.
Und mir gehts zumindest so, dass hier zu schreiben mich eher motiviert als Tagebuch mittlerweile denn diese alle stehen rum und werden verschwinden wenns mich nicht mehr gibt und ich betrachte es auch nicht als einseitig hier denn es hilft ja auch mir bei der Selbstreflektion auf mein Leben und man entdeckt manchmal etwas das längst verschüttet, vergessen wurde.
Es ist die Entwicklung in der Gesellschaft die diese Selbsbedienung unterstützt, man konsumiert alles nicht nur Dinge und nimmt sich, geben seltener und es gibt diese Erwartungshaltung, dass immer alles selbstverständlich verfügbar ist, man nur zugreifen braucht und wehe da ist mal nichts da....oder nicht das was man sich vorstellte.
Dazu passend was Yeba schrieb, wie kann man so niederträchtig sein und andere Menschen so ausnutzen und betrügen, es sind auch in diesen Ländern illusorische Erwartungen, durchs Internet, vorher schon durchs Sateliten TV falsche Vorstellungen vom Leben in Europa die noch durchs Vorspielen von Landsleuten die hier leben unterstützt zu solchem Verhalten führen.
Leider ists so, dass sich in den Touristenorten alle die tummeln die meinen ihnen steht mehr vom grossen Kuchen zu als sie haben und das trifft auf Urlauber die oft eh ein schlechtes Gewissen haben ihren Wohlstand betreffend und ein Helfersyndrom was es noch schlimmer macht alles, sich gegenseitig befruchtet.
Ich bin nicht in Ägypten gewesen, leider, aber ich hatte lange viel Kontakt mit einer ägyptischen Familie hier und hab eine Freundin die oft in Kairo ist, vorher hatte ich mal einen Schwager der drei Jahre auf einer Tauchbasis dort lebte und seine und meine Erfahrungen deckten sich oft, wir haben stundenlang oft uns ausgetauscht, es sind schon viel dieselben Mechanismen zumindest was im Tourismus passiert und ja auch dieselbe Religion die den Alltag bestimmt.
Ich denke Tunesien ist etwas offener und fortschrittlicher, nicht immer im Alltag, manchmal nur auf dem Papier, aber doch schon , nicht ohne Grund begann dort der sogenannte arabische Frühling.
Es passierte dort dasselbe wie auch nach dem Mauerfall hier.....es gab eine Euphorie die auch ich empfand, dasselbe Gefühl wie bei uns 89, man wurde mitgerissen und träumte von einer besseren Welt vor allem Freiheit, was auch immer man damit definiert, so ein grosses Wort und dann wars schnell vorbei mit der Euphorie und der Alltag brachte ein paar wenige positive Veränderungen erst, dann nur Chaos, dann Rückschritt und jetzt ist fast alles beim Alten oder zumindest nicht positiv, in manchen Ländern schlimmer als vorher, es ist immer die Wirtschaft die sich nicht mitentwickelt, Ideologien, Machtinteressen sorgen dafür, dass es den Menschen wirtschaftlich nicht besser geht oft schlechter als vorher, was nutzt dann eine vermeintliche Freiheit wenn man nichts zu essen hat und wie überall nutzen dann manche Menschen Gegebenheiten aus um sich zu bereichern.
Anfang der 90iger wars in Tunesien noch nicht so schlimm mit Bezness, es wurde stetig mehr und ich habs erlebt, dass auch Menschen die eigentlich nicht so waren dann am Ende es doch auch Bezness probierten wie es ihnen andere vormachten um für ihre Familien was abzukriegen, den Alltag zu erleichtern.
Es gibt ja wie bei allem eine riesige Bandbreite im Bezness, klar Betrug ist nie zu entschuldigen, aber nicht alle sind in dem Sinne eiskalt, gewalttätig, kriminell, ich kannte einige mit denen ich auch geredet hab die einfach schauten wie sie zu bissl mehr Wohlstand kamen was dann nicht hiess Auto usw.....sondern Spielzeug für die Kinder, Haushaltsartikel zur Erleichterung mancher Arbeiten, bissl Mehr Geld um etwas mehr auf dem Markt kaufen zu können....ja, manche nahmen bzw gaben dann auch ausserehelich Sex....das ist in Tunesien ohnehin auch unter Einheimischen nicht ungewöhnlich, Treue wird dort nicht gross geschrieben.
Das soll nichts entschuldigen, aber um manches manchmal besser zu verstehen und um zu verdeutlichen, dass wenn ein so grosses wirtschaftliches Gefälle zwischen Menschen besteht es immer ungesund ist für eine Beziehung.
Und so lange dieses weiter besteht wirds auch Bezness geben wenn man sich nicht durch Wissen davor schützt.

Eine kurze Zeit gab es nach 2011 wars glaub ich dieser "Frühling" eine Chance was Bessers draus zu machen, aber die ökonomischen Vorraussetzungen waren schlecht und es bremst auch die Religion, die Regeln in der Gemeinschaft vieles aus, ich hab dort noch weniger Menschen getroffen als hier die sich selbst reflektieren, Individualität die hier oft mit Egoismus einhergeht kennt man wenig, sich ausschliessen aus der Gruppe geht dort schwer, man passt sich an und so kommt man oft nicht weiter, wenn man Eigenverantwortung und das Leben in die eigene Hand nehmen und loslegen, zielstrebig nie gelernt hat dann sitzen viele dort, warten, dass die Familie hilft bzw Allah.....den Satz " Allah wirds schon richten" hab ich hassen gelernt denn so wird nichts fertig.
Das Eine bedingt das Andere.....man tut nichts, aber möchte alles haben....pauschal gesagt jetzt....
Es ist schade denn ich hab dort auch viel Solidarität, Herzlichkeit und Hilfe erlebt was hier manchmal verloren geht.....aber die andere Seite ist das was man hier dann lesen kann, leider.....
Das ist jetzt alles zu kurz und aus dem Zusammenhang.....ein weites Feld, historisch....Europa hat in den 90igern eine Chance verpasst und Tunesien hat evtl aus ähnlichen Gründen einen Frühling auch verpasst und ist im Winter gelandet.

Yeba12
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Re: Erfahrungen in Tunesien

Beitrag von Yeba12 » 30.01.2026, 20:30

„(…) ja, manche nahmen bzw gaben dann auch ausserehelich Sex....das ist in Tunesien ohnehin auch unter Einheimischen nicht ungewöhnlich, Treue wird dort nicht gross geschrieben.“

Das ist mir in Ägypten auch aufgefallen! Dass die meisten Männer es mit der Treue nicht so ernst nehmen war mir schon klar… Große Augen habe ich allerdings gemacht, als mir gesagt worden ist, dass selbst verschleierte, verheiratete Frauen Affären pflegen… Sehr, sehr mutig… Und dabei tun alle so fromm und gottesfürchtig… :lol: :mrgreen:

Diese Animateurin in meinem ersten Beitrag wurde mit einem 30 Jahre älteren Mann zwangsverheiratet und hatte eine Affäre mit einem ebenfalls verheirateten, muslimischen Mann. Ich war schockiert mit welch einer Selbstverständlichkeit sie mir davon erzählt hat. Als wäre es das Normalste auf der Welt. Wenn die Affäre aufliegen sollte, winkt da unten der Tod, dachte ich jedenfalls immer… Scheint ja nicht so zu sein, wenn das sehr weit verbreitet ist.

Meine Eltern stammen übrigens aus dem Südosten der Türkei, mein Vater hat politisches Asyl in den 90er Jahren erhalten, da er den Militärdienst gegen das eigene Volk verweigert hat. Ich bin also in einem islamisch moderaten Haushalt aufgewachsen… In Ägypten tun alle so gläubig, aber ich musste viele Male feststellen, dass selbst das einfachste, islamische Wissen nicht vorhanden ist. Wenn Du sie dann darauf ansprichst, ob das die islamischen Werte sind, waren sie nur leise.

Ich habe auch gute Menschen getroffen, aber ich hätte nie gedacht, dass ich so einen Kulturschock erleiden würde. Wie muss es da wohl den Europäern gehen…

Vielen lieben Dank für Deine wertvollen Zeilen…

karima66
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Re: Erfahrungen in Tunesien

Beitrag von karima66 » 02.02.2026, 11:24

Gerne, Yeba12 und sehr interessant was du auch für dich rausgefunden hast, noch mal anders aus deiner Perspektive, deinem biografischen Hintergrund.
Ja, Doppelmoral vom Feinsten, nach aussen vorbildlich, aber in Wirklichkeit so viele Lügen, Täuschung usw.....Frauen unter Frauen sind sehr auskunftsfreudig bis ins Detail, hab auch manchmal gestaunt was die sich so alles Intimes erzählten.....trotzdem untreue Frauen nicht die Mehrheit wie bei den Männern und immer noch nie dasselbe, es ist und bleibt sehr gefährlich und die meisten Männer und Familien dulden das nicht.
Manchmal erfinden die Frauen genauso wie Männer auch nur Geschichten um sich wichtig zu machen....
Da ich in Tunesien nur ganz wenige Menschen kennenlernte die auch Bücherregale Zuhause haben so ist es nicht verwunderlich, dass viele auch den Koran, Hadithe usw nie gelesen haben, es wird weitergegeben untereinander das Verhalten, oft nicht mal religiös, sondern traditionell und in der Moschee ists nicht anders als in Kirchen, Vorbeter und Prediger legen die Worte so aus wie es ihnen gefällt, ihrer Meinung entspricht und wenn sie dann selbst das nie gelesen haben im Zusammenhang dann nehmen sie es so mit wie gehört, wie andere es machen.....
In den ganzen muslimischen Ländern die nicht arabisch sprachig ist es noch weiter verbreitet, dass die wenigsten je die Schriften gelesen haben.

Evelyne
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Re: Erfahrungen in Tunesien

Beitrag von Evelyne » 02.02.2026, 12:03

Wie wahr, liebe Karima.
Deine Ausführungen kann ich in allen Punkten nur bestätigen.
In meinen tunesischen Jahren (Geschichte Nr 1) habe ich vor allem eines gelernt: unsere Werte haben dort keinerlei Bedeutung.
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Re: Erfahrungen in Tunesien

Beitrag von Yeba12 » 02.02.2026, 16:28

Karima, sie hat mir Chatverläufe und ein Bild gezeigt, deshalb glaube ich ihr die Story schon. Ägypterinnen sind sehr geldgeil, solange der Typ die Mittel hat, kann man schon als Affäre hinhalten… Die spielen da unten mit dem Feuer, dann auch noch eine Koptin und ein Moslem… Skandalös!

Bei mir hat sie immer auf anständig getan, sie würde sich weigern kurze Hosen und Tops zu tragen. Der Chefanimateur würde sie aber dazu drängen, aber sie würde ihre „Ehre“ verteidigen. Wenn der Preis aber stimmt, kann man ruhig das Ehebett wechseln :mrgreen: Und dabei wollte ich nur 4 Wochen die Sonne genießen…

Also im Nachhinein denke ich, dass mein Bikinioberteil mehr Ehre und Anstand verkörpert hat, als diese heuchlerische Mentalität, die dort unten gelebt wird.

Mir haben sie übrigens versichert, dass es dort interreligöse Beziehungen nicht geben würde… Prostitution schon gar nicht, deshalb seien die Männer auch so aufdringlich… Wer es glaubt… :lol: :lol: :lol:

Yeba12
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Re: Erfahrungen in Tunesien

Beitrag von Yeba12 » 02.02.2026, 20:42

Evelyne hat geschrieben:
02.02.2026, 12:03
Wie wahr, liebe Karima.
Deine Ausführungen kann ich in allen Punkten nur bestätigen.
In meinen tunesischen Jahren (Geschichte Nr 1) habe ich vor allem eines gelernt: unsere Werte haben dort keinerlei Bedeutung.
Wer meine Werte nicht achtet hat auch nicht das Recht von mir geachtet zu werden. Ich mache es mir mittlerweile sehr einfach. :mrgreen: :lol:

Evelyne
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Re: Erfahrungen in Tunesien

Beitrag von Evelyne » 03.02.2026, 00:33

Sehr gut Karima 👍
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Re: Erfahrungen in Tunesien

Beitrag von karima66 » 05.02.2026, 08:18

Ich denke der letzte Satz von Yeba ist gemeint, aber es ist schon lange auch mein Motto daher danke :)

Yeba, ich bin sicher es gibt in Ägypten wie in Tunesien natürlich Prostitution, aber offiziell natürlich nicht.
In Tunesien oft getarnt als Taxiphone oder Friseur usw....

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